Beschreibung der Studie

Der Enddarm spielt eine wichtige Rolle bei der Stuhlentleerung. Diese Funktion setzt eine intakte Gewebearchitektur voraus (d.h. intakte Muskeln, Nerven, Bindegewebe). Mittlerweile werden aber erworbene degenerative Erkrankungen des Rektum wahrgenommen und behandelt. Der innere Rektumprolaps (= Vorfall des Enddarms, d.h. eine pfropfartige Einstülpung des Enddarms in sich selbst) ist dabei im Fokus der medizinischen Wahrnehmung. Es ist zu vermuten, dass der Vorfall durch die hierdurch bedingte mechanische Beanspruchung des Gewebes direkt zu Folgeschäden im feingeweblichen Aufbau der Darmwand führt, wodurch auch die Funktion des Enddarms beeinträchtig ist. Der Rektumvorfall führt somit regelhaft auch zu einer dauerhaften Schädigung der Funktion des Enddarms. Für diese Studie sollen an Operationspräparaten, die bei sog. STARR-Operationen gewonnen werden (einem Verfahren zur operativen Behandlung des Rektumprolaps), zusätzliche und sehr spezielle feingewebliche Untersuchungen veranlasst werden, die helfen, Schäden der normalen Gewebearchitektur zu erkennen und somit Rückschlüsse auf begleitende Funktionsstörungen des Enddarms ermöglichen. Für die Studie wird bei der STARR-Operation nicht mehr Gewebe entnommen, als zur Therapie erforderlich ist. Für die Studie wird auch die derzeitige klinische Praxis der Diagnostik, Indikationsstellung, operativen Therapie und Nachbehandlung nicht verändert. Die kausale Verkettung von "Vorfall - strukturelle Schädigung - Funktionsdefizit" erscheint sehr wahrscheinlich und ist die dieser Studie zugrunde liegende Hypothese. Eine Klärung dieses Sachverhalts könnte zu unserem Verständnis von Obstipation (Verstopfung) und Stuhlinkontinenz speziell bei älteren Menschen beitragen. Diese Leiden haben eine erhebliche, die Lebensqualität beeinträchtigende Dimension und sind im Zeitalter des „demographischen Wandels“ auch von zunehmender gesellschaftlicher und sozio-ökonomischer Relevanz.

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Studiendetails

Studienziel Anteil und Ausprägung histopathologisch erfassbarer Strukturschäden und Auffälligkeiten an den STARR-Präparaten
Status Rekrutierung abgeschlossen, follow up abgeschlossen
Zahl teilnehmender Patienten 50
Stationärer Aufenthalt Keiner
Studientyp Beobachtungsstudie
Finanzierungsquelle Abteilung Allgemein- und Viszeralchirurgie, KoloproktologieSt. Barbara-Klinik Hamm

Kostet die Teilnahme Geld?

Alle während der Studie durchgeführten Behandlungen und Untersuchungen sind für Sie kostenfrei.

Teilnahme­voraussetzungen

Einschlusskriterien

  • Patienten, bei denen nach üblicher Vorbehandlung und Diagnostik mit der Diagnose der Defäkationsobstruktion durch Rektozele und/oder inneren Prolaps eine STARR-Operation indiziert wurde.

Ausschlusskriterien

  • rektale Voroperation in den letzten 12 Monaten

Adressen und Kontakt

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Häufig gestellte Fragen

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Die Physiologie der Defäkation gilt weiterhin als nicht vollständig geklärt (12,17,18,21). Einigkeit besteht aber darin, dass eine intraluminale Drucksteigerung im Rektum über bisher nicht eindeutig identifizierte Rezeptoren wahrgenommen und hierdurch Stuhldrang initiiert wird (12, 17,18,21,23). Die Drucksteigerung erfolgt normalerweise rasch, nach Massenperistaltik, vorwiegend aus dem Sigma. Dies geschieht postprandial als gastro- oder entero-kolischer Reflex. Die Massenperistaltik kann aber auch durch andere Reize angeregt werden z.B. Emotion (13), Kälte, Stimulanzien (z.B. Kaffee). Erreicht die Drucksteigerung im Rektum infolge des Füllzustands einen Schwellenwert, wird dies als Stuhldrang bewusst wahrgenommen. Der Schwellenwert für die Wahrnehmung ist variabel und wird auch durch erworbene Veränderungen der Rektumwand beeinflusst (durch z.B. entzündliche Erkrankungen oder Radiatio, erworbene degenerative Veränderungen)(15,29,30,32). Das Rektum ist nicht als Speicherorgan angelegt, degeneriert aber möglicherweise mit zunehmendem Lebensalter durch Schwächung oder Behinderung der Entleerungsfunktion in diese Funktion. Es gibt Hinweise dafür, dass in der Ruhephase die Motorkomplexe im physiologisch intakten Rektum retrograd propagiert werden, das Rektum somit kleinere Stuhlmengen wieder zurück in das Sigma transportiert, bis zum Zeitpunkt der Massenperistaltik (22). Die retrograde Aktivität wird auch in Gang gesetzt, wenn die Defäkation willentlich unterdrückt wird. Das Rektum ist auch Barriere für die Kolonperistaltik (21). Ein chronisch stuhlgefülltes und obstruiertes Rektum ist somit bereits Hinweis für eine degenerative Funktionsbeeinträchtigung. Via parasympathischer Vermittlung kann die Defäkation bei Stuhldrang bewusst initiiert werden. Dabei kommt es unter anderem zu einer Erschlaffung der Levator- und Sphinktermuskulatur, durch die sich der Analkanal öffnet. Das Rektum kontrahiert vorwiegend axial. Um diese „Verkürzung“ des Rektum zu ermöglichen, verschmelzen die Taenien anatomisch über dem Rektum zu einer das Organ umfassenden Muskelschicht. Es gibt aber auch eine kontrahierende Peristaltik durch die darunter liegende mehr zirkulär strukturierte Muskelschicht (12,17,18,21). Die Bauchpresse unterstützt den Entleerungsvorgang. Das Rektum ist daher für die Defäkation ein wichtiges Wahrnehmungs- und Austreibungsorgan. Zweifelsohne darf postuliert werden, dass Sensorik und Motorik des Rektum eine intakte nervale und muskuläre Organstruktur voraussetzt. Mittlerweile werden aber erworbene degenerative Strukturschäden des Rektum wahrgenommen und behandelt. Diese Veränderungen sind mit einfachen klinischen Untersuchungen leicht zu erkennen, ihre Entstehung ist zu einem gewissen Grade altersphysiologisch. Der innere Rektumprolaps ist dabei im Fokus der medizinischen Wahrnehmung und wird als wesentliche Ursache einer mechanischen Defäkationsobstruktion erkannt. Dies ist gerade unter Chirurgen mittlerweile auch breiter akzeptiert und wird unter dem Begriff „obstruktives Defäkations-Syndrom (ODS)“ (1-3,6,7,9,10,19,20,24,25,28) als pathophysiologisches Konzept subsummiert. Der innere Rektumprolaps ist ein pfropfartiges Intussuszeptat des Rektum in sich selber. Spielarten hiervon sind der Mukosaprolaps als Frühform, aber auch der Hämorrhoidenprolaps als dann oft symptomatisches Begleitphänomen. Das Intussuszeptat wirkt wie ein Ventil, das überwunden werden muss, damit Stuhlgang passieren kann. Eine häufig begleitende Veränderung des weiblichen Beckenbodens ist die Rektozele. Sie ist Folge einer dann oft auch tastbaren degenerativen Strukturschwächung typischerweise der Rektumvorderwand. Allerdings wird in der derzeitigen Diskussion der pathophysiologischen Zusammenhänge lediglich der mechanistische Aspekt der physikalisch durch das pfropfartige Intussuszeptat verursachten Obstruktion berücksichtigt. Es werden aber bei Patienten im Umfeld von Obstipation, Obstruktion und Inkontinenz immer wieder auch motorische und sensorische Funktionsstörungen des Rektum wahrgenommen (4,5,8,11,14,16,26,27,31). Das Rektum wirkt bei der Bildgebung (im Besonderen in der Dynamik der Defäkographie) oft überaus schlaff und balloniert. Bei vielen Patienten kann auch durch Ballon-Expulsions-Test eine Sensibilitäts- und/oder Entleerungsstörung nachgewiesen werden. Die motorischen und sensorischen Funktionsstörungen persistieren bei vielen Patienten auch nach der operativen Beseitigung des obstruierenden Vorfalls. Gerade bei Betrachtung von Defäkographie-Sequenzen mit innerem Rektumprolaps drängt sich die Frage auf, ob ein schlaffes, intussuszeptierendes Rektum tatsächlich noch die die motorischen und sensorischen Strukturvoraussetzungen aufweist, die für eine physiologische Defäkation erforderlich sind. Zudem wirken die Resektionspräparate nach transanalen Prolapsresektionen nicht selten fibrosiert und vernarbt. Es ist im Gegenzug auch zu bezweifeln, dass ein gesundes, und strukturnormales, straffes Rektum überhaupt eine Intussuszeption vollziehen kann. Es stellt sich somit die Frage, ob die Mechanik des inneren Rektumprolaps sekundäre Strukturschäden der Rektumwand verursacht, die wiederum sensori-motorische Funktionsbeeinträchtigungen des Rektum nach sich ziehen. Dies erscheint wahrscheinlich und ist die Studienhypothese. Eine Klärung dieses Sachverhalts könnte zu unserem Verständnis von Obstipation und Stuhlinkontinenz speziell bei älteren Menschen beitragen. Diese Leiden haben eine erhebliche, die Lebensqualität beeinträchtigende Dimension und sind im Zeitalter des „demographischen Wandels“ auch von zunehmender gesellschaftlicher und sozio-ökonomischer Relevanz.

Quelle

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