Beschreibung der Studie

Die Diagnose einer Depression geht oft einher mit durch die betroffenen Patienten berichteten Konzentrationsstörungen und Störungen der Entscheidungsfindung. Dieser Symptomkomplex ist derart häufig, dass er Eingang in die gängigen Diagnosesysteme gefunden hat. Interessanterweise findet sich in der Forschung dazu aber ein inkonsistentes Befundmuster, d.h., dass in manchen Studien akut depressive besser und in anderen Untersuchungen wiederum gesunde Personen besser im Rahmen von Entscheidungsaufgaben abschneiden. Ziel dieser Studie ist daher die kognitive Leistung bei Entscheidungen von depressiven Patienten im Vergleich zu einer gesunden Kontrollgruppe zu untersuchen, um das Symptom und damit auch Depressionen an sich besser verstehen zu können. In der geplanten Arbeit soll die kognitive Leistung von depressiven Patienten bei sequentiellen Entscheidungen im Vergleich zu einer gesunden Kontrollgruppe untersucht und mögliche Erklärungen für potentielle Unterschiede getestet werden. Dazu werden verschiedene Variationen des Sekretärinnen-Problems in der Untersuchung verwendet. Dabei werden dem Studienteilnehmer am Computer nacheinander fiktive Bewerber für eine Arbeitsstelle dargeboten. Zu jedem Bewerber wird gesagt, wie gut er im Vergleich zu den bisherigen Bewerbern war und der Teilnehmer muss bei jedem Bewerber entscheiden, ob dieser eingestellt werden soll oder nicht. Je besser der dann gewählte Bewerber insgesamt ist, umso mehr Punkte kann der Teilnehmer erlangen. Des Weiteren wird überprüft inwieweit die aktuelle Befindlichkeit, aktuell möglicherweise vorhandene psychische Belastungen sowie Persönlichkeitseigenschaften und die kognitive Leistungsfähigkeit einen Einfluss auf das Entscheidungsverhalten haben. Zudem soll untersucht werden, welche Entscheidungskriterien die Teilnehmer gewählt haben. Ein Teil der Teilnehmer sollen zudem bei Therapieabschluss bzw. nach Ablauf circa eines dreiviertel Jahres (entsprechend der Dauer einer Kurzzeittherapie mit 25 Sitzungen) erneut das einfache Sekretärinnen-Problem — aber mit einem anderen inhaltlichen Schwerpunkt (z.B. aus 40 Partnern den Geeigneten auswählen) — bearbeiten. Hier soll überprüft werden, ob die möglicherweise gefundenen Tendenzen im ersten Durchgang nur im Rahmen einer Depression auftreten oder aber übergreifend eher die Form eines Persönlichkeitsmerkmals einnehmen.

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Studiendetails

Studienziel Variante 1 für die Experimental- und Kontrollgruppe 1: Experimentelles Paradigma: Das Sekretärinnen-Problem (SP) in seiner Grundversion (vgl. Seale & Rapoport, 1997) mit der Variation, dass die Probanden eine gewissen Punktwert erhalten, je nachdem ob sie sich für den zweitbesten, drittbesten etc. Bewerber entschieden haben. Dieser Punktwert variiert Abhängigkeit des gewählten absoluten Ranges (vgl. Bearden, Rapoport & Murphy, 2006). Der Punktwert wird am Ende in einen Geldbetrag umgewandelt. Ausgewertet wird: Performanz: die gemittelte Menge der Punkte, d.h. der gemittelte absolute Rang der jeweils gewählten Bewerber zu T1 (Studienbeginn) und zu T2 (nach einem ¾ Jahr bzw. nach Ablauf einer Kurzzeittherapie) Suchlänge: die gemittelte Zahl an betrachteten Bewerbern zu T1 (Studienbeginn) und zu T2 (nach einem ¾ Jahr bzw. nach Ablauf einer Kurzzeittherapie) Relativer Rang: der gemittelte gewählte relative Rang zu T1 (Studienbeginn) und zu T2 (nach einem ¾ Jahr bzw. nach Ablauf einer Kurzzeittherapie) Entscheidungsregel: die gewählten Entscheidungsschwellen der Versuchspersonen, d.h. ab welchem Bewerber im Mittel entschieden wird zu T1 (Studienbeginn) und zu T2 (nach einem ¾ Jahr bzw. nach Ablauf einer Kurzzeittherapie) Variante 2 für die Experimental- und Kontrollgruppe 2: komplexes Sekretärinnen-Problem: Hier müssen zwei Ranginformationen (zwei Eigenschaften) beachtet werden (vgl. Bearden et al., 2005) Ausgewertet wird: Performanz: die gemittelte Menge der Punkte, d.h. der gemittelte absolute Rang der jeweils gewählten Bewerber in beiden Eigenschaften zu T1 (Studienbeginn) Suchlänge: die gemittelte Zahl an betrachteten Bewerbern zu T1 (Studienbeginn) Relativer Rang: der gemittelte gewählte relative Rang zu T1 (Studienbeginn) in beiden Eigenschaften Variante 3 für die Experimental- und Kontrollgruppe 2: Sekretärinnen-Problem in der Bestrafungssensitivitätsbedingung: Variation bzgl. der Gewinnrückmeldung --> „Schade! Sie haben leider nur den xxx-besten gewählt. Ihnen werden von erreichbaren 40 Punkten xx Punkte abgezogen!“, wenn nicht der beste Bewerber gewählt wurde. Ausgewertet wird: Performanz: die gemittelte Menge der Punkte, d.h. der gemittelte absolute Rang der jeweils gewählten Bewerber zu T1 (Studienbeginn Suchlänge: die gemittelte Zahl an betrachteten Bewerbern zu T1 (Studienbeginn) Relativer Rang: der gemittelte gewählte relative Rang zu T1 (Studienbeginn) Entscheidungsregeln: die gewählten Entscheidungsschwellen der Versuchspersonen, d.h. ab welchem Bewerber im Mittel entschieden wird zu T1 (Studienbeginn)
Status Rekrutierung abgeschlossen, follow up abgeschlossen
Zahl teilnehmender Patienten 80
Stationärer Aufenthalt Keiner
Finanzierungsquelle Poliklinische Institutsambulanz für Psychotherapie der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Abt. Forschung und Lehre

Kostet die Teilnahme Geld?

Alle während der Studie durchgeführten Behandlungen und Untersuchungen sind für Sie kostenfrei.

Teilnahme­voraussetzungen

Einschlusskriterien

  • Grundsätzliche Bedingungen für die Teilnahme sind ein Alter zwischen 18-65 Jahre, ausreichende Deutschkenntnisse sowie das Vorliegen einer Einverständniserklärung.
  • Stichprobe DEP (Personen mit depressiver Erkrankung): Diagnose einer Major Depression nach DSM-IV (durch SKID-I) vorhanden.
  • Stichprobe KG (Gesunde Kontrollpersonen ohne psychische Störung): Keine psychische Störung nach DSM-IV (SKID-I) während der letzten 5 Jahre. Darüber hinaus unauffällige Ergebnisse im Brief Symptom Inventory (Franke, 2000).

Ausschlusskriterien

  • Ausschlusskriterien umfassen das Vorliegen einer aktuellen Suchterkrankung, Störungen aus dem schizophrenen Formenkreis, ADHS im Erwachsenenalter, Persönlichkeitsstörungen, Essstörungen sowie akute Suizidalität.

Adressen und Kontakt

An dieser Studie können Sie leider nicht mehr teilnehmen. Hier finden Sieaktuelle Depression-Studien.

Häufig gestellte Fragen

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In der geplanten Arbeit soll die kognitive Leistung von depressiven Patienten bei sequentiellen Entscheidungen im Vergleich zu einer gesunden Kontrollgruppe untersucht und mögliche Erklärungen für potentielle Unterschiede getestet werden. Dazu werden verschiedene Variationen des Sekretärinnenproblems (SP) in der Untersuchung verwendet. Beim SP handelt es sich um eine sequentielle Entscheidungsaufgabe, in der ein Entscheidungsträger aus einer Reihe von nacheinander präsentierten Alternativen die Beste auswählen muss. Bei einer in der Forschung häufig verwendeten Variante soll sich die Person in die Rolle eines Personalleiters einer Firma hineinversetzen, der eine Sekretärin einstellen soll. Alle Bewerberinnen für die Stellen können in eine absolute Rangreihe gebracht werden, d.h. es gibt immer eine beste, zweitbeste usw. Kandidatin. Die Bewerberinnen für die Stelle sprechen nacheinander vor und zu jeder Kandidatin erhält der Entscheidungsträger Informationen über den relativen Rang der Bewerberin (wie gut die Bewerberin im Vergleich zu den vorher gesehenen Bewerberinnen ist). Nach jedem Gespräch muss sich der Entscheidungsträger entscheiden, ob er die Person einstellen will. Stellt er sie nicht ein, dann scheidet die Kandidatin aus und kann nicht mehr eingestellt werden. Ziel des Entscheidungsträgers ist, die (absolut) beste Sekretärin einzustellen. Neben diesen Merkmalen zeichnet das SP aus, dass es eine (mathematisch ableitbare; vgl. Ferguson, 1989) optimale Lösungsstrategie gibt, mit der man das tatsächliche Verhalten der Probanden vergleichen kann. Ziel des geplanten Experiments ist, anhand von Variationen des SP verschiedene Erklärungsansätze bezüglich der Performanz in Entscheidungsaufgaben von Depressiven in einem entscheidungspsychologischen Paradigma gegeneinander zu testen und ihre empirische Angemessenheit zu überprüfen.Insgesamt sollen 40 Depressive und 40 gesunde Personen untersucht werden. Ein Teil der depressiven Patienten und gesunden Personen (je 20) soll gebeten werden, das einfache SP zu Beginn (T1) und zum Ende der Therapie (T2) zu bearbeiten. Wie in der Untersuchung von Helversen et al. (2011) sollen die Probanden in einem SP aus 40 Bewerbern den/die Beste auswählen und dies in 60 Durchgängen. Die Belohnung soll, entsprechend dem Versuchsaufbau bei von Helversen et al. (2011), abhängig von dem absoluten Rang der gewählten Personen ausgezahlt werden. Hierbei soll zum einen überprüft werden, ob Depressive aus Angst vor Misserfolg schneller das korrekte Vorgehen im SP lernen als es Gesunde tun. Zudem soll überprüft werden, ob die möglicherweise gefundenen Tendenzen nach T1 nur im Rahmen einer Depression auftreten oder aber übergreifend eher die Form eines Traits einnehmen. Eine zweite Gruppe von depressiven Patienten sowie gesunden Personen soll das SP in einer Bestrafungsvariation durchführen und eine komplexe Version des SP bearbeiten. Erwartet wird, dass bei höherer Relevanz der Bestrafungssensitivität sich in der bestrafungssensitiven Variation schneller Veränderungen ergeben und somit die Depressiven der zweiten Gruppe schneller höhere Cut-Off Werte als die der ersten Gruppe erzielen, die das einfache, d.h. neutrale SP durchführen. Im Gegensatz zum einfachen SP, bei dem nur eine Ranginformation bei der Entscheidung berücksichtigt werden muss, müssen die Personen beim komplexen SP zwei Ranginformationen beachten (vgl. Bearden, Murphy & Rapoport, 2005). Aus den Annahmen des Informationsverarbeitungsansatzes folgt, dass Depressive bei der komplexen Aufgabe schlechter sein sollten als Gesunde, da sie weniger Informationen effektiv nutzen können (vgl. Conway & Giannopoulos, 1993). Während Depressive bei dem einfachen SP also gleich gut oder besser (vgl. von Helversen et al., 2011) sind, sollten sie beim komplexen SP schlechter sein. Zudem soll der Einfluss von Intelligenz, Motivation, Persönlichkeitseigenschaften, emotionaler Befindlichkeit und der Schwere der Depression auf das Entscheidungsverhalten untersucht werden.

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