Beschreibung der Studie

Ziel der Studie ist es, die Effektivität zweier unterschiedlicher Intensivtrainings bei der stationären Behandlung von Alkohol-, Cannabis- und Amphetaminkonsumenten zu vergleichen. Bei den beiden Trainings handelt es sich zum einem um ein Training zur Vermittlung allgemeiner Problemlösungsstrategien und zum anderem um ein Training zur Verbesserung des Umgangs mit Gefühlen. Um die aktuell immer kürzer werdenden, stationären Behandlungszeiten möglichst effektiv zu nutzen, werden beide Trainings in intensiver Form, d. h., an fünf aufeinanderfolgenden Tagen angeboten. Grundsätzlich ist die Wirksamkeit beider Behandlungsmöglichkeiten gut belegt. Offen ist allerdings bislang noch, ob einer der beiden Ansätze bei bestimmten Patienten besser geeignet ist. Dies soll durch diese Studie untersucht werden.

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Studiendetails

Studienziel Vergleich der Effektstärken und des Reliable Change Index auf den Maßen psychische Belastung (operationalisiert durch das Brief Symptom Inventory, BSI), den Problemlösungsfähigkeiten (operationalisiert durch das Social Problem Solving Inventory-Revisetd, SPSI-R) und der Aktivierung von Ressourcen und Selbstmanagementfähigkeiten (operationalisiert durch den Fragebogen zu Ressourcenaktivierung und Selbstmanagementfähigkeiten, FERUS). Die Datenerhebung erfolgt jeweils am Aufnahme- und Entlassungstag.
Status Teilnahme bald möglich
Zahl teilnehmender Patienten 160
Stationärer Aufenthalt Keiner
Studientyp Interventionell
Kontrolle Standardtherapie
Finanzierungsquelle LVR-Klinik Bonn, Abt. für Abhängigkeitserkrankungen und Psychotherapie

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Teilnahme­voraussetzungen

Einschlusskriterien

  • Alle Patienten, die im Untersuchungszeitraum stationär behandelt werden

Ausschlusskriterien

  • Akute psychotischer Störungen

Adressen und Kontakt

LVR-Klinik Bonn, Bonn

Ansprechpartner: Wolfgang Dau

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Häufig gestellte Fragen

Neben der Distanzierung von dem Suchtmittel ist bei der Therapie von Sucht die Befähigung zu einem ausgeglichenen und selbstbestimmten Lebensstil ein weiteres zentrales Ziel (Sonntag & Tretter, 2001). Um dies zu erreichen, sollte man den Suchtpatienten während ihres stationären Aufenthaltes bestimmte Fertigkeiten vermitteln, wobei insbesondere Trainings geeignet sind, die generelle Strategien für den Umgang mit Problemen bieten (Marlatt & George, 1984). Generelle Strategien können Problemlösekompetenzen oder Kompetenzen der emotionalen Regulation sein, für die in den letzten Jahren zahlreiche Trainingsangebote entwickelt wurden (D'Zurilla & Nezu, 1999). Diesen Angeboten steht jedoch die Verkürzung der durchschnittlichen stationären Behandlungsdauer entgegen (Steppan, Künzel & Pfeiffer-Gerschel, 2012). Daraus resultiert die Frage, wie man den stationären Aufenthalt so effektiv und effizient wie möglich gestalten kann. Eine Möglichkeit ist eine Komprimierung der Kompetenztrainings, sodass die Trainings in einer kürzeren Zeit durchgeführt werden und die Sitzungsfrequenz erhöht wird. Angenommen, man würde mit solchen Trainings den gleichen Lerneffekt erzielen, könnte man auf diese Weise mehr Patienten erreichen. In der geplanten Studie soll daher untersucht werden, ob das Problemlösekompetenztraining „PLLUB“ nach Dau und Trübutschek (2008) und das Training Emotionaler Kompetenzen nach Berking (2010) auch in komprimierter Form dieselben Effekte zeigt. Die Studie wird auf der Station 15.1 C der LVR-Klinik Bonn durchgeführt. Diese Station behandelt Personen mit Abhängigkeitserkrankungen, wobei der Großteil der Patienten alkohol-, cannabis- oder partydrogenabhängig ist. Die Probanden erhalten die standardmäßige Behandlung und ein zusätzliches Kompetenztraining. Hierbei werden sie randomisiert dem Problemlösekompetenztraining oder dem Training emotionaler Kompetenzen zugeordnet. Für beide Arten des Trainings im klinischen Kontext konnten bereits Wirksamkeitsnachweise erbracht werden (D'Zurilla & Nezu, 1999; Berking et al., 2008). Insgesamt gibt es fünf Termine, die je 90min dauern. Zudem erhalten die Probanden Hausaufgaben. Das Problemlösekompetenztraining „PLLUB“ (Dau & Trübutschek, 2008) ist eng an das Problemlösetraining von D'Zurilla und Nezu (1999) angelehnt. „PLLUB“ steht für die fünf Schritte zum erfolgreichen Problemlösen: 1. Problemdefinition, 2. Lösungssuche, 3. Lösungsplanung, 4. Umsetzung und 5. Bewertung. Das erste Ziel des Trainings besteht darin eine adaptive Problem-Orientierung aufzubauen. Außerdem wird dem Patienten bewusst gemacht, dass affektive Reaktionen hilfreich für das Erkennen von Problemen sind. Dadurch soll ein adaptiver Umgang mit Gefühlen beim Patienten gefördert werden. In den weiteren Schritten wird den Patienten dabei geholfen ihre individuelle Probleme zu identifizieren, relevante Fakten zu formulieren und sich realistische Ziele für dieses Problem zu setzen. Die Methode der Wahl zum Generieren von Lösungen ist das Brainstorming. Die Patienten sollen dann einen Lösungsansatz oder eine Kombination von Lösungsansätzen auswählen. Im Optimalfall entstehen so detaillierte Lösungspläne, die die Patienten in einer Übungsphase umsetzen können. Abschließend wird Mitte der zweiten Woche die Umsetzung evaluiert und nötige Veränderungen des Lösungsplans besprochen. Das Training Emotionaler Kompetenzen (TEK) basiert auf dem von Berking (2010) entwickelten Manual. In einem ersten Schritt werden die verschiedene Emotionen und ihre jeweilige Funktion besprochen, wobei auf gesellschaftlich verbreitete Annahmen von Gefühlen eingegangen wird. Um die Negativspirale aus unangenehmen Gefühlen auf der einen und Problemen und Misserfolgen auf der anderen Seite zu durchbrechen, werden den Patienten zwei Strategien zur Selbstunterstützung vermittelt. Für die „stolz auf etwas“-Strategie explorieren die Patienten ihre Ressourcen und abstrahieren aus konkreten Erfolgserlebnissen die dahinterstehenden Stärken. Bei der „einfach so wertvoll“-Strategie werden die Patienten dazu aufgefordert, sich ihre Werte und Maßstäbe bewusst zu machen und zu überdenken. Zur Analyse emotionaler Reaktionen wird das ABC-Modell (activating event – beliefs – consequence) nach Ellis (1979) verwendet. In diesem Rahmen werden emotionsspezifische (z.B. Entspannungsübung bei Stress) und emotionsübergreifende Maßnahmen besprochen. Vor und nach dem Training wird mit den Patienten ein Interview zur Problemlösekompetenz durchgeführt. Außerdem werden für die Beantwortung der Fragestellung folgende validierte und in der Praxis bewährte Fragebögen zu Beginn und Ende des stationären Aufenthalts erhoben: Brief Symptom Inventory (BSI; Franke, 2000; psychische Belastung/Symptome), Fragebogen zur Erfassung von Ressourcen und Selbstmanagementfähigkeiten (FERUS; Jack, 2007; Ressourcen) und das Social Problem-Solving Inventory-Revised (SPSI-R; Graf, 2003; Problemlösungsfertigkeiten). Die Bearbeitungszeit beträgt ca. 35 Minuten.

Klinische Studien werden durchgeführt, um die Sicherheit und Wirksamkeit von Medikamenten, medizinischen Geräten oder Verfahren nachzuweisen. Sie untersuchen, welche Behandlungsmethode sich am besten zur Therapie einer bestimmten Erkrankung oder Gruppe von Betroffenen eignet. Vor der Marktzulassung müssen alle neuen Behandlungsmethoden einer Reihe von klinischen Prüfungen unterzogen werden.

Klinische Studien bilden die Voraussetzungen für neue Behandlungsmöglichkeiten. Die Ergebnisse klinischer Studien treiben den medizinischen Fortschritt. Sie geben Ärzten das Wissen darüber wie Behandlungen eingesetzt werden und für wen sie sich am besten eignen. Nur durch den Einsatz der freiwilligen Teilnehmer können Studien erfolgreich abgeschlossen werden. Die teilnehmenden Patienten bekommen auch die Möglichkeit sehr früh von einer neuen Behandlung zu profitieren. Es dauert nämlich durchschnittlich 12 Jahre bis eine neue Behandlung öffentlich verfügbar wird. Alle Behandlungen und Medikamente, die Patienten derzeit nutzen, wurden im Rahmen klinischer Studien erprobt, um sicherzugehen, dass diese sicher sind und wirken.

Damit sichergestellt wird, dass nur diejenigen Betroffenen an der Studie teilnehmen, die am wahrscheinlichsten davon profitieren, werden Sie von dem Studienarzt umfassend untersucht. Dieser Vorgang wird als Screening bezeichnet und findet, vor einer möglichen Studienteilnahme, in dem jeweiligen Studienzentrum statt. Dazu gehört auch ein Gespräch mit dem Studienarzt, welches Sie umfassend über die Studie aufklärt und Ihnen die Möglichkeit gibt, Fragen zu stellen. Je nach Studie sind zusätzliche Untersuchungen (z.B. Labor oder Ultraschall) notwendig, um zu bestimmen, ob Sie an der Studie teilnehmen können.

Es gibt verschiedene Gründe, an klinischen Studien teilzunehmen. Durch Ihre Teilnahme leisten Sie einen wertvollen Beitrag zur medizinischen Forschung. Sie erhalten Zugang zu neuartigen Behandlungsmethoden, die sich möglicherweise besser für Ihre Erkrankung eignen, als bisherige Ansätze. Darüber hinaus könnten Sie von der intensiven und individuellen medizinischen Betreuung in den Studienzentren profitieren. Die Teilnahme an einer klinischen Studie eröffnet vielen Betroffenen eine neue Perspektive, ihre gesundheitliche Situation verbessern zu können.

Klinische Studien werden durchgeführt, weil noch nicht alle Einzelheiten über ein Medikament, medizinisches Gerät oder Verfahren bekannt sind. Es besteht die Möglichkeit, dass Sie nicht von der Studienteilnahme profitieren. Alle potenziellen Risiken werden vor Studienbeginn mit Ihnen ausführlich im Studienzentrum besprochen. So können Sie für sich den möglichen Nutzen sorgfältig gegen eventuelle Risiken abwägen. Sie können bei den Gesprächen so viele Fragen stellen, bis Sie sich sicher für oder gegen eine Teilnahme entscheiden können.

Sie können Ihre Teilnahme an einer klinischen Studie jederzeit und ohne Angabe von Gründen beenden.

Die bei der Studie gesammelten Informationen dürfen nur zu Forschungszwecken verwendet werden. Ihre Informationen werden in einer verschlüsselten Form gespeichert, die zu keiner Zeit einen Rückschluss auf Ihre Person erlaubt. Lediglich Ihr Studienarzt hat die Möglichkeit, die Informationen zu entschlüsseln. Falls die Studienergebnisse im Rahmen von Präsentationen oder Veröffentlichungen verwendet werden, werden Sie niemals namentlich erwähnt. Auch wird niemandem ohne Ihr schriftliches Einverständnis mitgeteilt, dass Sie an der Studie teilnehmen bzw. teilgenommen haben.

Die Ergebnisse von klinischen Studien beeinflussen die Behandlungsmethoden, mit denen Betroffene in der Gegenwart und der Zukunft behandelt werden. Daher ist es wichtig, zuverlässige Ergebnisse zu erhalten. Um zuverlässige Ergebnisse zu erhalten, müssen Studien sorgfältig geplant werden. Dazu gehört, dass die Teilnehmer vor Beginn in verschiedene Gruppen eingeteilt werden und genau definiert wird, wie die Gruppen behandelt werden. Auf diese Weise können Behandlungsmethoden unter gleichen Bedingungen miteinander verglichen werden. So kann im Anschluss der Studie eine Aussage darüber gefällt werden, welche der eingesetzten Behandlungsmethoden für die untersuchte Fragestellung am besten geeignet ist. Unabhängig davon, welcher Gruppe die Teilnehmer angehören, werden Sie intensiv durch das Studienpersonal betreut.

Damit man sich auf Studienergebnisse verlassen kann, müssen Studien möglichst vor äußeren Einflussfaktoren geschützt werden, die zu einer Verfälschung der Ergebnisse führen könnten. Zu den Einflussfaktoren gehören zum Beispiel das Alter oder der Schweregrad einer Erkrankung. Eine wichtige Methode, um die Auswirkung solcher Einflussfaktoren zu minimieren, ist die Randomisierung. Darunter versteht man, dass die Zuteilung zu den verschiedenen Teilnehmergruppen zufällig erfolgt. Das heißt, dass weder die Teilnehmer noch der Arzt einen Einfluss darauf haben, welcher Gruppe ein Teilnehmer zugeordnet wird. Durch die zufällige Zuteilung wird dafür gesorgt, dass sich die Einflussfaktoren gleichermaßen auf die Gruppen auswirken. So wird zum Beispiel verhindert, dass einer Gruppe nur die weniger stark betroffenen zugeteilt werden. In diesem Fall wäre es nicht möglich, die beiden Gruppen zuverlässig miteinander zu vergleichen.

Quelle: Deutsches Register Klinischer Studien