Beschreibung der Studie

Für die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund in die deutsche Gesellschaft gibt es zahlreiche Modelle und Projekte, die meistens beim Erlernen der deutschen Sprache ansetzen und für ältere Kinder und Erwachsene konzipiert sind (vgl. Friedrich et al., 2009). Da Sprache erst im zweiten Lebensjahr aktiv erworben wird und das Erlernen der Sprache der Mutter in den frühesten Lebensjahren im Vordergrund steht, greifen solche Integrationsansätze, die ausschließlich auf das Erlernen der deutschen Sprache ausgerichtet sind, kaum bei Kindern im Alter zwischen null und drei Jahren (Säuglingen und Kleinkin-dern). Gerade Kinder von Müttern, die noch nicht lange in Deutschland leben, haben einen besonderen Nachteil, da die Mütter sich selbst in einer emotional unsicheren Situation befinden, die Einordnung in ein neues Umfeld bewältigen müssen und dabei oft erfahrene Bezugspersonen – wie ihre eigenen Eltern und Geschwister – nicht als Unterstützung in erreichbarer Nähe zur Verfügung stehen. Diese schwierige Situation ihrer Mütter stellt für die Kinder eine zusätzliche Hürde dar, die sie zu einer Risikogruppe innerhalb der Migrationspopulation macht. Integrationsprojekte für Kleinkinder mit Migrationshintergrund (Frühintegration) gibt es in Deutschland kaum. Die Erfahrungen aus der Säuglings- und Kleinkindforschung und -medizin legen einen solchen Ansatz allerdings nahe, da Kleinkinder, die in einem positiven und emotional sicheren Umfeld aufwachsen, kreativer sind, weniger Aggressivität zeigen, sich kognitiv, affektiv und sozial besser entwickeln und auch Sprachen besser erlernen. Es ist daher davon auszugehen, dass man mit Ansätzen, die bei den frühen Beziehungen zum direkten Lebensumfeld (in diesem Alter vor allem die Familie) ansetzen, bereits in der Säuglings- und Kleinkindzeit die Integration von Migrantenkindern verbessern kann. Im Rahmen des Forschungszentrums „Individuelle Entwicklung und Lernförderung“ (IDeA - Individual Development and Adaptive Education) wurde das Modellprojekt ERSTE SCHRITTE konzeptualisiert, welches das Sigmund-Freud-Institut in Kooperation mit dem Institut für Analytische Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie (Frankfurt/Main) durchführt. Ziel von ERSTE SCHRITTE ist es, ein Integrationsprojekt für Kleinkinder mit Migrationshintergrund anzubieten, das (1) wissenschaftlich nachweisbar dauerhaft die Integration von Kleinkindern mit Migrationshintergrund und ihren Müttern in die deutsche Gesellschaft verbessert u.a. gemessen an besseren Deutschkenntnissen, weniger Stress der Kinder beim Eintritt in den Kindergarten, der (sozial-emotionalen) Entwicklung der Kinder sowie dem Deutsch-sprachniveau und der Abschlussquote der Integrationskurse ihrer Mütter, (2) sich besonders auf die Risikogruppe der akuten Migrantinnen und Flüchtlinge bzw. Familien mit bisher weitgehend gescheiterter Integration in die deutsche Gesellschaft konzentriert und (3) als Modellprojekt angelegt ist, das auch auf andere Standorte übertragbar sein wird, falls es sich als wirksam erweist. Mit Hilfe eines randomisierten Vergleichsgruppendesigns soll im Rahmen der Studie die differenzierte Wirksamkeit von ERSTE SCHRITTE („Prävention A“) im Vergleich zu durch Laienhelferinnen organisierten „Elterntreff“-Gruppen („Prävention B“) untersucht werden. Gleichzeitig werden die Vor- und Nachteile der Rekrutierungsstrategie in zwei verschiedenen institutionellen Kontexten (obligatorische Sprachkurse in Frankfurt; große Geburtsklinik in Berlin) in zwei verschiedenen deutschen Großstädten mit einem hohen Anteil an Familien mit Migrationshintergrund untersucht.

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Studiendetails

Studienziel a) Bei den untersuchten Kindern: - Deutschkenntnisse der Kinder mit 42-44 Monaten gemessen durch den Sprachtest LiSe-DaZ (Linguistische Sprachstandsdiagnostik - Deutsch als Zweitsprache; P. Schulz und R. Tracy, 2011) - Stresslevel der Kinder bei Eintritt in den Kindergarten gemessen durch die Bestim-mung von Haarcortisol im 4. Lebensjahr- zwei Haarproben: kurz vor und 2-3 Monate nach dem Eintritt in den Kindergarten - Sozial-emotionale Entwicklung der Kinder gemessen anhand des SDQ (Erzieherversion; deutsche Version von Klasen et al., 2003) mit den Skalen a) Prosoziales Verhalten b) Hyperaktivität c) Emotionale Probleme d) Verhaltensprobleme mit Gleichaltrigen e) Verhaltensprobleme 2-3 Monate nach Eintritt in den Kindergarten b) bei den untersuchten Müttern Mütter: Erfolgreiche Teilnahme bzw. Fortsetzung der Integrationskurse der Mütter in Frankfurt und Integration der Teilnehmerinnen in Frankfurt und Berlin gemessen anhand der wiederholten Vorlage des Fragebogens des BAMF (Bundesamt für Migration und Flüchtlinge) nach Abschluss der Intervention unabhängig vom Alter des Kindes
Status Rekrutierung abgeschlossen, follow up abgeschlossen
Zahl teilnehmender Patienten 400
Stationärer Aufenthalt Keiner
Studientyp Interventionell
Kontrolle Wirksame Behandlung
Finanzierungsquelle Forschungszentrum "Individuelle Entwicklung und Lernförderung" (IDeA), gefördert durch Landes-Offensive zur Entwicklung Wissenschaftlich-ökonomischer Exzellenz (LOEWE)
Weitere Informationen Studienwebseite

Kostet die Teilnahme Geld?

Alle während der Studie durchgeführten Behandlungen und Untersuchungen sind für Sie kostenfrei.

Teilnahme­voraussetzungen

Einschlusskriterien

  • In Frankfurt: Kinder im Alterszeitfenster von Müttern, die bei den teilnehmenden In-tegrationskursanbietern in Frankfurt/Main einen Integrationskurs absolvieren (Darüber hinaus: Einzelfallprüfung)
  • In Berlin: Kinder im Alterszeitfenster von Müttern der ersten Generation von Migrantinnen, die im Klinikum Neukölln entbinden (Darüber hinaus: Einzelfallprüfung bei Frauen mit auffallend dürftigen Deutschkenntnissen)

Ausschlusskriterien

  • Kinder jenseits des Altersfensters

Adressen und Kontakt

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Häufig gestellte Fragen

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Vor allem Befunde der Bindungsforschung zu desorganisiert gebundenen Kindern (Typ D, vgl. unten) sind beunruhigend. Aufgrund vieler Längsschnittstudien weisen Kinder diesen Bindungstyps die schlechteste Prognose auf und werden mit hoher Wahrscheinlichkeit schon im Grundschulalter aggressiv-destruktives Verhalten, massive psychische Probleme und schlechte Schulleistungen zeigen, falls sie keine frühzeitige Hilfe und Unterstützung bekom-men (Lyons-Ruth, Alpern & Repacholi, 1993; Solomon, George & De Jong, 1995; Green & Goldwyn, 2002; Cry & Dubois-Comtois, 2004; Moss et al, 2004; 2006; Stacks & Oshio, 2009). Es handelt sich dabei vor allem um Kinder, die schwere Traumatisierungen und Ge-walterfahrungen vonseiten ihrer ersten Beziehungspersonen erlebt haben (Fonagy, 2010; Lyons-Ruth, Bronfman, & Atwood, 1999; Meurs et al., 2006). Eine beachtliche Anzahl dieser Kinder stammt aus Familien mit Migrationshintergrund, die durch mit der Migration einhergehenden Faktoren wie z.B. der Erfahrung von Gewalt im Heimatland, sozialer Isolation nach Heiratsmigration, resp. niedrigem sozial-ökonomischen Status, häufig schwer belastet, oder sogar traumatisiert sind (vgl. Leuzinger-Bohleber, 2012). Im Rahmen des ERSTE SCHRITTE Projektes versuchen wir daher so früh wie möglich in dieser Risikopopulation präventiv zu intervenieren. Möglichst schon vor der Geburt des Kin-des wird Kontakt mit den werdenden Müttern aufgenommen, um sie schon während der Schwangerschaft und kurz nach der Geburt zu unterstützen. Ziel ist es dabei v.a. einen Rück-zug - z.B. in Parallelgesellschaften - in den ersten Lebenswochen des Säuglings und der oft damit verbundenen sozialen Isolation zu verhindern. Mütter (Väter) und Kinder nehmen an dem Angebot teil bis die Kinder etwa 3 Jahre alt sind und in den Kindergarten kommen. Die Stichprobe besteht aus Müttern mit Migrationshintergrund, die geringe Kenntnisse der deut-schen Sprache aufweisen (zumeist Migrantinnen, die erst kurz in Deutschland sind, oder aber solche, die trotz längerem Aufenthalt in Deutschland noch kaum Deutsch sprechen, was als ein Indikator für eine mangelhafte Integration betrachtet werden kann.) Häufig, aber nicht ausschließlich weisen diese Familien einen geringen sozio-ökonomischen Status auf. In Frankfurt/Main finden die Angebote bei Integrationskursanbietern (sozialen Trägern) statt; in Berlin am Klinikum Neukölln in Kooperation mit dem Kindergesundheitshaus e.V., einer Klinik, in der 70% aller entbindenden Frauen Migrantinnen sind. Forschungsziel ist die Evaluation der Kurz- und Langzeitwirkungen der beiden Präventions-angebote A und B. Die Hypothese lautet, dass das Präventionsangebot ERSTE SCHRITTE (A), das durch psychoanalytisch geschulte MitarbeiterInnen die individuellen Bedürfnisse der Mütter/Väter und Kinder berücksichtigt, hinsichtlich der Integration von Müttern/Vätern und Kindern in der Population mit Migrationshintergrund wirksamer ist als nicht professionell moderierte, von Laien geleitete sogenannte „Elterntreffs“ (B). Indikatoren der gelingenden Integration auf Seiten der Kinder sind u.a. bessere Kenntnis der deutschen Sprache, bessere kognitive und motorische Entwicklung, weniger Stress beim Eintritt in den Kindergarten, bessere sozial-emotionale Entwicklung, und später bessere schulische Leistungen im Vergleich zur laienunterstützten Gruppe. Indikatoren der Integration der Mütter in Frankfurt/Main sind u.a. die Wiederaufnahme (nach Unterbrechung durch Schwangerschaft und Geburt des Kindes) und erfolgreiche Beendigung des Integrationskurses und sowohl in Berlin als auch Frankfurt/Main beruflicher (Wieder-)Einstieg. Als sekundäres Outcomekriterium wird untersucht, ob bei Kindern der Gruppe A im ersten Jahr des Kindergartens häufiger ein sicherer Bindungstyp (TYP A) vorzufinden ist als bei Kindern der Gruppe B. Der Hauptmesszeitpunkt zur Evaluation des Erfolgs der beiden Päventionsangebote A und B ist der Eintritt der Kinder in den Kindergarten mit ca. 3 Jahren. Es ist geplant, die Langzeit-wirkungen des Projektes zudem zum Zeitpunkt der Einschulung sowie am Ende des ersten oder zweiten Schuljahres zu erfassen. Design der Studie: 
 Die Langzeitstudie realisiert ein randomisiertes Vergleichsgruppendesign mit 6 Messzeit-punkten. In Frankfurt/Main werden die Integrationskurse in drei kooperierenden Institutionen randomisiert, da Frauen aus dem gleichen Kurs nicht unterschiedlichen Angeboten zugewiesen werden können (clusterrandomisiertes Design). In Berlin werden die Familien so früh wie möglich, wenn sie in die Klinik kommen, jedoch spätestens im Kontext der U2 Untersuchung (3. Lebenstag des Babys) im Einzelgespräch über die Studie informiert, so dass die Randomisierung einzeln erfolgt. Zum institutionellen Rahmen der Studie: 
 Das Forschungszentrum „Individuelle Entwicklung und Lernförderung“ (IDeA) wird vom Deutschen Institut für Internationales Pädagogik (DIPF) und der Goethe-Universität Frankfurt in Kooperation mit dem Sigmund-Freud-Institut getragen. IDeA ist ein interdisziplinäres Forschungszentrum, das durch LOEWE, die Landesoffensive für ökonomische und wissenschaftliche Exzellenz, in Hessen finanziert wird. Inzwischen arbeiten im Zentrum ca. 100 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus unterschiedlichen Disziplinen wie Pädagogik, Psychologie, Psychoanalyse, Neurowissenschaften und verschiedene Fachdidaktiken zusammen.

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