Beschreibung der Studie

Bösartige Hirntumoren, u.a. das Glioblastom, werden durch eine feingewebliche Untersuchung des chirurgisch entfernten Tumorgewebes durch einen Neuropathologen (histologische Untersuchung) diagnostiziert. Die histologische Diagnose bestimmt zu einem großen Teil, welche Behandlung angezeigt ist. In den letzten Jahren hat sich in molekularbiologischen Studien gezeigt, dass sich einzelne Tumoren bezüglich der Expression bestimmter Gene (mRNA Expressionsprofil) stark unterscheiden. Mittlerweile sind so vier verschiedene Untergruppen beschrieben worden, innerhalb derer bestimmte Veränderungen des Erbgutes (Mutationen) und zelluläre Signalwege regelhaft verändert sind. Nicht bekannt ist bisher, ob und welche Konsequenzen diese Subtypen für die Behandlung von Tumorpatienten in Zukunft haben wird. Langfristig ist eine zielgerichtete, personalisierte Therapie in Abhängigkeit des Tumorsubtyps denkbar. Um solche Therapien zu entwickeln, muss jedoch zunächst die Relevanz der beschriebenen Subtypen erforscht und die molekularen Besonderheiten weiter charakterisiert werden. Dazu ist es notwendig, sogenannte „Zelllinien“ anzulegen. Dabei werden noch lebende Tumorzellen, welche während einer Operation entfernt wurden, in einer Nährlösung im Labor kultiviert (Zellkultur). Diese Zelllinien können dann verwendet werden, um molekularbiologische Experimente durchzuführen und neue Therapiemöglichkeiten im Labor („in vitro“) zu testen. Ziel unserer Studie ist es daher, Zelllinien aller vier bekannten Glioblastomsubtypen zu etablieren. Dazu benötigen wir Proben von etwa 40 Tumorpatienten. Diese werden dann wie oben beschrieben kultiviert und molekularbiologisch und genetisch analysiert. Zusammen mit den klinischen Daten zum Krankheitsverlauf wollen wir drängende Fragen der Tumorentstehung und -progression, insbesondere Mechanismen der Einwanderung von Tumorzellen in gesundes Gewebe (Invasion) untersuchen. Damit wollen wir einen Beitrag für die Entwicklung zukünftiger, personalisierter Therapien leisten.

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Studiendetails

Studienziel Überlebenszeit (vom Diagnosezeitpunkt). Ziel der gegenwärtigen Studie ist es, Mechanismen der Tumorzellinvasion in GBM verschiedener transkriptioneller Subtypen zu untersuchen. Dazu soll ein Panel an Gliomprimärzellen aus Patientenbiopsien isoliert, hinsichtlich wesentlicher genomischer Mutationen sowie des transkriptionellen Subtypen nach Verhaak und Phillips charakterisiert und als Spheroid-Zelllinien unter serumfreien Zellkulturbedingungen etabliert werden. Zusätzlich sollen klinische, radiologische und histologische Merkmale zur vollständigen Charakterisierung des Zelllinienpanels miterfasst werden. Daher ergibt sich der Charakter einer prospektiven Beobachtungsstudie, um die Überlebenszeit nach Diagnosestellung zu erfassen, welche wir als primären Endpunkt definieren. Als sekundäre Endpunkte werden radiologische oder klinische Tumorrekurrenz nach multimodaler Primärtherapie definiert.
Status Teilnahme möglich
Zahl teilnehmender Patienten 40
Stationärer Aufenthalt Keiner
Studientyp Beobachtungsstudie
Finanzierungsquelle Berliner Krebsgesellschaft

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Teilnahme­voraussetzungen

Einschlusskriterien

  • Volljährigkeit und Einwilligungsfähigkeit
  • Klinische und radiologische Verdachtsdiagnose eines Glioblastoms
  • Neurochirurgische Indikationsstellung zur Tumorresektion

Adressen und Kontakt

Charité Universitätsmedizin Berlin, Berlin

Ansprechpartner: Dr. med. Philipp Euskirchen

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Häufig gestellte Fragen

Glioblastoma multiforme ist der häufigste primäre Hirntumor bei Erwachsenen und gekennzeichnet durch eine infauste Prognose bei extrem infiltrativem Wachstum. Trotz multimodaler Therapie mit Resektion, Bestrahlung und Chemotherapie liegt das mediane Überleben bei weniger als zwei Jahren. Bereits früh im Krankheitsverlauf auftretene, diffuse Infiltration von gesundem Hirngewebe ist kennzeichnend für Glioblastome. Dadurch wird der Tumor unerreichbar für eine lokalisierte chirurgische oder strahlentherapeutische Behandlung. In den letzten Jahren hat sich eine molekulare Untergliederung der Entität herauskristallisiert, z.B. durch transkriptionelle Profilierung mittels cDNA-Microarrays. Das Expressionsprofil des mesenchymalen Subtypen ähnelt dem von Karzinomen, die eine epithelial-mesenchymale Transition (EMT) durchlaufen haben. EMT tritt sowohl bei physiologischen Prozessen (z.B. Organogenese) als auch unter pathologischen Bedingungen auf. In epithelialen Malignomen vermittelt EMT Invasion und Metastasierung. Dieser Vorgang wird durch wenige Schlüsseltranskriptionsfaktoren reguliert, darunter Zinc finger E-box-binding homeobox 1 (ZEB1). Ziel der gegenwärtigen Studie ist es, Mechanismen der Tumorzellinvasion in GBM verschiedener transkriptioneller Subtypen zu untersuchen. Unter der Annahme eines EMT-ähnlichen Prozesses möchten wir die Auswirkungen einer Modulation des EMT Masterregulators ZEB1 mittels RNA-Interferenz auf experimentelle, humane Gliome charakterisieren. Dazu soll ein Panel an Gliomprimärzellen aus Patientenbiopsien isoliert, hinsichtlich wesentlicher genomischer Mutationen sowie des transkriptionellen Subtypen nach Verhaak und Phillips charakterisiert und als Spheroid-Zelllinien unter serumfreien Zellkulturbedingungen etabliert werden. Zusätzlich sollen klinische, radiologische und histologische Merkmale zur vollständigen Charakterisierung des Zelllinienpanels miterfasst werden. Die Identifizierung subtypspezifisch veränderter Signalwege soll einen Beitrag zur Entwicklung personalisierter Therapien leisten.

Klinische Studien werden durchgeführt, um die Sicherheit und Wirksamkeit von Medikamenten, medizinischen Geräten oder Verfahren nachzuweisen. Sie untersuchen, welche Behandlungsmethode sich am besten zur Therapie einer bestimmten Erkrankung oder Gruppe von Betroffenen eignet. Vor der Marktzulassung müssen alle neuen Behandlungsmethoden einer Reihe von klinischen Prüfungen unterzogen werden.

Klinische Studien bilden die Voraussetzungen für neue Behandlungsmöglichkeiten. Die Ergebnisse klinischer Studien treiben den medizinischen Fortschritt. Sie geben Ärzten das Wissen darüber wie Behandlungen eingesetzt werden und für wen sie sich am besten eignen. Nur durch den Einsatz der freiwilligen Teilnehmer können Studien erfolgreich abgeschlossen werden. Die teilnehmenden Patienten bekommen auch die Möglichkeit sehr früh von einer neuen Behandlung zu profitieren. Es dauert nämlich durchschnittlich 12 Jahre bis eine neue Behandlung öffentlich verfügbar wird. Alle Behandlungen und Medikamente, die Patienten derzeit nutzen, wurden im Rahmen klinischer Studien erprobt, um sicherzugehen, dass diese sicher sind und wirken.

Damit sichergestellt wird, dass nur diejenigen Betroffenen an der Studie teilnehmen, die am wahrscheinlichsten davon profitieren, werden Sie von dem Studienarzt umfassend untersucht. Dieser Vorgang wird als Screening bezeichnet und findet, vor einer möglichen Studienteilnahme, in dem jeweiligen Studienzentrum statt. Dazu gehört auch ein Gespräch mit dem Studienarzt, welches Sie umfassend über die Studie aufklärt und Ihnen die Möglichkeit gibt, Fragen zu stellen. Je nach Studie sind zusätzliche Untersuchungen (z.B. Labor oder Ultraschall) notwendig, um zu bestimmen, ob Sie an der Studie teilnehmen können.

Es gibt verschiedene Gründe, an klinischen Studien teilzunehmen. Durch Ihre Teilnahme leisten Sie einen wertvollen Beitrag zur medizinischen Forschung. Sie erhalten Zugang zu neuartigen Behandlungsmethoden, die sich möglicherweise besser für Ihre Erkrankung eignen, als bisherige Ansätze. Darüber hinaus könnten Sie von der intensiven und individuellen medizinischen Betreuung in den Studienzentren profitieren. Die Teilnahme an einer klinischen Studie eröffnet vielen Betroffenen eine neue Perspektive, ihre gesundheitliche Situation verbessern zu können.

Klinische Studien werden durchgeführt, weil noch nicht alle Einzelheiten über ein Medikament, medizinisches Gerät oder Verfahren bekannt sind. Es besteht die Möglichkeit, dass Sie nicht von der Studienteilnahme profitieren. Alle potenziellen Risiken werden vor Studienbeginn mit Ihnen ausführlich im Studienzentrum besprochen. So können Sie für sich den möglichen Nutzen sorgfältig gegen eventuelle Risiken abwägen. Sie können bei den Gesprächen so viele Fragen stellen, bis Sie sich sicher für oder gegen eine Teilnahme entscheiden können.

Sie können Ihre Teilnahme an einer klinischen Studie jederzeit und ohne Angabe von Gründen beenden.

Die bei der Studie gesammelten Informationen dürfen nur zu Forschungszwecken verwendet werden. Ihre Informationen werden in einer verschlüsselten Form gespeichert, die zu keiner Zeit einen Rückschluss auf Ihre Person erlaubt. Lediglich Ihr Studienarzt hat die Möglichkeit, die Informationen zu entschlüsseln. Falls die Studienergebnisse im Rahmen von Präsentationen oder Veröffentlichungen verwendet werden, werden Sie niemals namentlich erwähnt. Auch wird niemandem ohne Ihr schriftliches Einverständnis mitgeteilt, dass Sie an der Studie teilnehmen bzw. teilgenommen haben.

Quelle: Deutsches Register Klinischer Studien