Beschreibung der Studie

Über 14 Prozent der bundesdeutschen Bevölkerung leiden an psychischen Angsterkrankungen, bei denen es immer wieder zu starken Angstreaktionen kommt, obwohl in Wirklichkeit gar keine Gefahr besteht. Angstreaktionen sind grundsätzlich ungefährlich, können jedoch mit starken körperlichen Beschwerden einhergehen (u.a. Herzrasen, Zittern, Atemnot). Deshalb gehen die Betroffenen irrtümlicherweise oft davon aus, dass sie körperlich erkrankt sind. Bei Angsterkrankungen ist das Privat- und Berufsleben in der Regel deutlich beeinträchtigt. Angsterkrankungen rufen bei den Betroffenen viel Leid hervor und führen zu erheblichen Kosten für die gesamte Gesellschaft. In einem Drittel aller Fälle wird die Angsterkrankung ausschließlich durch den Hausarzt behandelt. Nicht weniger als 5 Prozent der Patienten in deutschen Hausarztpraxen leiden an den speziellen Angsterkrankungen „Panikstörung“ und „Agoraphobie“.Das Ziel der „Jena-Paradies“-Studie ist es daher, ein hausärztlich begleitetes Übungsprogramm für diese Patienten zu entwickeln und zu überprüfen. Im Rahmen dieses Übungsprogramms lernen die Patienten zunächst, ihre Erkrankung zu verstehen. Dann erhalten sie vom Hausarzt eine Reihe verhaltenstherapeutisch orientierter Aufgaben (Übungen), die sich in der Behandlung von Angsterkrankungen bereits gut bewährt haben. Die Patienten werden während der Behandlung sowohl vom Hausarzt, als auch von einem der medizinischen Fachangestellten der Praxis begleitet. Beide zusammen bilden das Praxisteam. Es finden mehrere persönliche Termine und telefonische Kontakte zwischen dem Patienten und dem Praxisteam statt. Zusätzlich werden die Patienten ein Selbsthilfe-Manual erhalten, das sie durch das Übungsprogramm führt. Es wird erwartet, dass die Behandlung mit dem hausärztlichen „Jena-Paradies“-Übungsprogramm zu einer stärkeren Abnahme der Angst führt als die übliche hausärztliche Behandlung (ohne das Übungsprogramm). Um dies wissenschaftlich zu überprüfen, werden im Rahmen der Studie zwei Gruppen aus den teilnehmenden Praxen gebildet: In einer der Gruppen werden die Patienten mit dem „Jena-Paradies“-Übungsprogramm behandelt und in der anderen Gruppe ohne das „Jena-Paradies“-Übungsprogramm. Im Laufe von zwölf Monaten werden die Patienten per Fragebogen dreimal nach Ihrem gesundheitlichen Befinden befragt. Die Ergebnisse beider Gruppen werden statistisch miteinander verglichen, und zwar hinsichtlich Gesundheit der Patienten und hinsichtlich der Behandlungskosten.

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Studiendetails

Studienziel Angstsymptomstärke, erhoben durch das Beck-Angst-Inventar (BAI; Summenscore zum Messzeitpunkt T1 sechs Monate nach Baseline)
Status Rekrutierung abgeschlossen, follow up abgeschlossen
Zahl teilnehmender Patienten 444
Stationärer Aufenthalt Keiner
Studientyp Interventionell
Kontrolle Wirksame Behandlung
Finanzierungsquelle Bundesministerium für Bildung und Forschung Dienstsitz Berlin
Weitere Informationen Studienwebseite

Kostet die Teilnahme Geld?

Alle während der Studie durchgeführten Behandlungen und Untersuchungen sind für Sie kostenfrei.

Teilnahme­voraussetzungen

Einschlusskriterien

  • Panikstörung mit oder ohne Agoraphobie (ICD-10: F41.0 oder F40.01)
  • positives Screening-Fragebogen
  • deutsche Sprachkenntnisse
  • privater Telefonanschluss

Ausschlusskriterien

  • akute Suizidalität
  • akute oder chronische Psychose
  • Abhängigkeit von Alkohol oder anderen psychotropen Substanzen
  • schwere körperliche Erkrankung
  • Schwangerschaft
  • aktuelle, angstspezifische fachpsychotherapeutische Behandlung

Adressen und Kontakt

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Häufig gestellte Fragen

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Hintergrund: Bei der weit verbreiteten Panikstörung (ICD-10: F41.0) treten diskrete Episoden intensiver Furcht (sog. „Panikattacken“) wiederholt auf, die bei den Betroffenen in der Regel große Sorgen und Befürchtungen auslösen. In 35-65 % aller Fälle besteht komorbid eine Agoraphobie (ICD-10: F40.01), bei der die Betroffenen zusätzlich eine Furcht vor bestimmten Situationen entwickeln und diese vermeiden. Typischerweise handelt es sich dabei um Situationen, in denen die Patienten das Auftreten von Panikattacken oder Angstsymptomen befürchten. Die Störungsbilder führen regelmäßig zu schwerwiegenden Einschränkungen in beruflichen und privaten Lebensbereichen sowie zu einer verminderten Lebensqualität der Betroffenen. Auf der gesellschaftlichen Makroebene entstehen hohe gesundheitsökonomische Kosten. Gleichzeitig liegen evidenzbasierte, effektive Behandlungsstrategien vor. Entsprechend internationaler und nationaler Versorgungsleitlinien (DGPPN 2000) sollten bereits in der Primärversorgung evidenzbasierte, verhaltenstherapeutisch orientierte Behandlungselemente zur Anwendung kommen. Ferner konnte gezeigt werden, dass sich die Behandlung chronischer Erkrankungen durch die Anwendung von Methoden optimieren lässt, die aus dem "Chronic Care"-Modell abgeleitet wurden. Die „Jena-Paradies“-Studie evaluiert ein selbst gesteuertes Expositionstraining für Patienten mit Panikstörung und Agoraphobie, das als hausärztlich begleitetes Übungsprogramm, im Sinne eines praxisteam-basierten "Case Managements", durchgeführt wird und die für die Primärversorgung empfohlenen Behandlungselemente konsequent umsetzt. Studienziel: Es wird ein praxisteam-unterstütztes, selbst gesteuertes Expositionstraining für Patienten mit Panikstörung mit/ohne Agoraphobie in der ambulanten Primärversorgung mit der sonst üblichen Behandlung („Usual Care“ unter Berücksichtigung des empfohlenen Standards) verglichen. Der Vergleich bezieht sich auf patientenbezogene, klinische Parameter sowie auf gesundheitsökonomische Messgrößen. Methoden: Es handelt sich um eine prospektive, zweiarmig kontrollierte, multizentrische und cluster-randomisierte Interventionsstudie, die in 74 Hausarztpraxen (Prüfzentren/Cluster) mit 444 volljährigen Patienten (Beobachtungseinheiten) durchgeführt werden soll. Die Rekrutierung der Patienten erfolgt durch die Prüfzentren. Alle Hausärzte werden in der Symptomatik, Diagnostik und evidenzbasierten Therapie bei Panikstörung mit bzw. ohne Agoraphobie geschult. Die in den Interventionsarm der Studie randomisierten Praxisteams (jeweils bestehend aus dem Hausarzt und einem medizinischen Fachangestellten der Praxis) werden zusätzlich in der Anwendung des praxisteam-unterstützten, selbst gesteuerten Expositionstrainings (dem sog. „Jena-Paradies“-Übungsprogramm) geschult. Das „Jena-Paradies“-Übungsprogramm wird als praxisteam-basiertes „Case Management“ durchgeführt und enthält u.a. die Behandlungselemente Beratung, Psychoedukation, Anleitung zur Konfrontation in vivo und Selbsthilfe-Manual. Der Behandlungsplan umfasst manualisierte Hausarzt-Kontakte sowie protokollgestützte, telefonische Monitorings des Symptom- und Behandlungsverlaufes, die von einem medizinischen Fachangestellten der Praxis durchgeführt werden. Die Monitoring-Ergebnisse werden direkt an den Hausarzt übermittelt, sodass dieser darauf zeitnah therapeutisch reagieren kann. Im Kontrollarm der Studie erfolgt die Behandlung der Panikstörung mit bzw. ohne Agoraphobie dagegen nach „Usual Care“, unter Berücksichtigung des empfohlenen Standards. Die Dauer der Behandlung beträgt sechs Monate pro Patient. Zielgrößen: Die Erhebung der Zielgrößen erfolgt per Fragebogen (Patienten-Selbstauskunft) zu den Messzeitpunkten T0 (Baseline vor Behandlungsbeginn), T1 (sechs Monate nach Baseline) und T2 (zwölf Monate nach Baseline). Der Summenscore des Beck-Angst-Inventars (BAI; primärer Endpunkt) wird mittels eines gemischten linearen Modells analysiert. Die primäre Analysepopulation und Auswertung erfolgt nach dem „Intent-to-Treat“-Prinzip. Die sekundären Endpunkte werden mittels analoger Modelle unter Berücksichtigung der Skalierung analysiert.

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