Beschreibung der Studie

Mütter mit Missbrauchs- und Vernachlässigungserfahrungen in der Vergangenheit misshandeln häufig auch ihre eigenen Kinder. Die Übertragung dieser schwer belastenden Lebenserfahrungen in die nächste Generation wurde vielfach von Klinikern und verschiedenen Berufsgruppen im Gesundheitswesen beobachtet. Man geht davon aus, dass in vielen Fällen die elterlichen Fürsorgefähigkeiten der betroffenen Mütter grundlegend gestört werden, wenn sie selbst von physischer Misshandlung, Missbrauch oder Vernachlässigung, hauptsächlich durch Bezugspersonen, betroffen waren. Im Rahmen eines Verbundforschungsprojektes wird nun versucht, die Ursachen dieses Kreislaufs von Misshandlung und Traumatisierung besser zu verstehen und darüber hinaus die Wirksamkeit von therapeutischen Interventionen zu untersuchen, welche darauf abzielen, diesen Kreislauf zu durchbrechen. In diesem Teilprojekt werden Mütter (und deren Kinder im Grundschulalter) untersucht, die neben der Traumatisierung in der Vergangenheit Depressionen erlebt haben. Auch mütterliche Depressionen können dazu führen, dass das Verhältnis zwischen Müttern und Kindern belastet wird. In welchem Verhältnis das Trauma der Mütter und die Depression zueinander stehen und wie sie auf das Kind wirken, soll in dieser Studie untersucht werden. Neben Müttern mit Traumaerfahrung und Geschichte einer Depression untersuchen wir auch Mütter mit früherer Depression und ohne Traumaerfahrung sowie gesunde Mütter (und die dazugehörigen Kinder). Wir untersuchen die Mütter, die Kinder und die Mutter-Kind-Interaktion. Hierfür beobachten wir Verhalten, benutzen wir Fragebögen und führen wir psychologische Tests durch. Darüber hinaus bestimmen wir Hormone (z.B. das Stresshormon Cortisol), führen wir genetische und epigenetische Untersuchungen durch und untersuchen wir das Gehirn der Mütter mit bildgebenden Verfahren (fMRT). Zudem wird überprüft, welche Therapieprogramme sich am besten dazu eignen, das Verhältnis zwischen depressiv-traumatisierten Müttern und ihren Kindern zu verbessern. Hierzu werden Mütter mit traumatischen Kindheitserfahrungen und Depression auf zwei Therapieprogramme randomisiert: Im Stressmanagement-Training, das sich nur an die Mütter richtet, werden kognitiv-behaviorale Fertigkeiten der Stressbewältigung vermittelt. In der Parent-Child-Interaction-Therapy lernen Mütter direkt in der Interaktion mit ihrem Kind, wie sie sich diesem positiver und unterstützender zuwenden können.

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Studiendetails

Studienziel Primäres Zielkriterium der Mutter ist die Veränderung der mütterlichen Sensitivität von Baseline zu Follow-up I (Messung direkt nach Intervention) im EA-Score (Emotional Availability Scales). Primäres Zielkriterium des Kindes ist die Veränderung im kindlichen Wohlbefinden von Baseline zu Follow-up I im KIDSCREEN-Score.
Status Teilnahme möglich
Zahl teilnehmender Patienten 168
Stationärer Aufenthalt Keiner
Studientyp Interventionell
Kontrolle Standardtherapie
Finanzierungsquelle Bundesministerium für Bildung und Forschung Dienstsitz Bonn

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Teilnahme­voraussetzungen

Einschlusskriterien

  • Gruppe Depression und Trauma:
  • Alter der Mutter > 17 Jahre;
  • Erfahrung von Misshandlung oder sexuellem Missbrauch in der Kindheit;
  • Mindestens eine depresive Episode in der Vergangenheit;
  • Depression remittiert;
  • Stabile Medikation;
  • Alter des Kindes: 6.-12. Lebensjahr;
  • Mutter und Kind leben zusammen;
  • Ausreichende Deutschkenntnisse.
  • Gruppe Depression ohne Trauma:
  • Kontrollgruppe

Ausschlusskriterien

  • Gruppe Depression mit Trauma:
  • Akute Suizidalität;
  • Folgende zusätzliche psychiatrische Erkrankung der Mutter: Schizophrenie, schizoaffektive Störung, Manie, bipolare Störung, Borderline-Persönlichkeitsstörung, antisoziale Persönlichkeitsstörung, dementielle oder hirnorganische Störung, Substanzabhängigkeit in den letzten 6 Monaten (Ausnahme Nikotin), aktuelle regelmäßige Einnahme von Benzodiazepinen;
  • geistige oder körperliche Behinderung von Mutter oder Kind;
  • Kindeswohlgefährdung;
  • Körperliche Erkrankungen von Mutter oder Kind, die nach Art und Schwere mit den geplanten Untersuchungen interferieren oder Einfluss auf die untersuchten Parameter nehmen können.
  • Gruppe Depression ohne Trauma:
  • Erfahrung von sexuellem Missbrauch oder Misshandlung in der Kindheit;
  • Kontrollgruppe:
  • Aktuelle oder frühere psychische Erkrankung in der Vorgeschichte

Adressen und Kontakt

Charité Universitätsmedizin Berlin, Berlin

Ansprechpartner: Professor Felix Bermpohl

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Häufig gestellte Fragen

In dem Projekt wird untersucht, wie sich mütterliche Traumatisierung und Depression auf psychosoziale und (neuro)biologische Korrelate der Affektregulation auswirken, wie sie die Sensitivität und Feindseligkeit der Mütter gegenüber ihren Kindern beeinflussen und ob sie das Misshandlungspotential der Mütter erhöhen. Zudem werden die Einflüsse mütterlicher Traumatisierung und Depression auf Entwicklung, Psychopathologie und Lebensqualität der Kinder und auf deren Responsivität gegenüber ihren Müttern untersucht. Untersucht werden Mutter-Kind-Paare. Die Kinder befinden sich im Grundschulalter. Folgende Gruppen von Müttern werden untersucht: Mütter mit Traumatisierung und depressiver Episode in der Vorgeschichte; Mütter mit depressiver Episode in der Vorgeschichte und ohne Traumatisierung; Mütter ohne Depression und ohne Traumatisierung. Ebenen der Betrachtung beinhalten Psychopathologie, Testpsychologie, Verhaltensbeobachtung, Hormonbestimmungen, genetische und epigenetische Untersuchungen sowie Untersuchungen mit funktioneller Magnetresonanztomographie. Das Projekt evaluiert darüber hinaus eine Intervention, die auf die Mutter-Kind-Interaktion ausgerichtet ist. Hierzu werden Mütter mit Depressionen und Trauma auf eine von zwei Interventionstypen randomisiert: Sie erhalten entweder Parent-Child-Interaction-Therapy oder aber ein Stressmanagement Training. Die in Berlin erhobenen Daten werden für sich ausgewertet und in einem zweiten Analyseschritt zusammen mit Daten aus Heidelberg (Mütter mit Trauma ohne Depression) analysiert.

Klinische Studien werden durchgeführt, um die Sicherheit und Wirksamkeit von Medikamenten, medizinischen Geräten oder Verfahren nachzuweisen. Sie untersuchen, welche Behandlungsmethode sich am besten zur Therapie einer bestimmten Erkrankung oder Gruppe von Betroffenen eignet. Vor der Marktzulassung müssen alle neuen Behandlungsmethoden einer Reihe von klinischen Prüfungen unterzogen werden.

Klinische Studien bilden die Voraussetzungen für neue Behandlungsmöglichkeiten. Die Ergebnisse klinischer Studien treiben den medizinischen Fortschritt. Sie geben Ärzten das Wissen darüber wie Behandlungen eingesetzt werden und für wen sie sich am besten eignen. Nur durch den Einsatz der freiwilligen Teilnehmer können Studien erfolgreich abgeschlossen werden. Die teilnehmenden Patienten bekommen auch die Möglichkeit sehr früh von einer neuen Behandlung zu profitieren. Es dauert nämlich durchschnittlich 12 Jahre bis eine neue Behandlung öffentlich verfügbar wird. Alle Behandlungen und Medikamente, die Patienten derzeit nutzen, wurden im Rahmen klinischer Studien erprobt, um sicherzugehen, dass diese sicher sind und wirken.

Damit sichergestellt wird, dass nur diejenigen Betroffenen an der Studie teilnehmen, die am wahrscheinlichsten davon profitieren, werden Sie von dem Studienarzt umfassend untersucht. Dieser Vorgang wird als Screening bezeichnet und findet, vor einer möglichen Studienteilnahme, in dem jeweiligen Studienzentrum statt. Dazu gehört auch ein Gespräch mit dem Studienarzt, welches Sie umfassend über die Studie aufklärt und Ihnen die Möglichkeit gibt, Fragen zu stellen. Je nach Studie sind zusätzliche Untersuchungen (z.B. Labor oder Ultraschall) notwendig, um zu bestimmen, ob Sie an der Studie teilnehmen können.

Es gibt verschiedene Gründe, an klinischen Studien teilzunehmen. Durch Ihre Teilnahme leisten Sie einen wertvollen Beitrag zur medizinischen Forschung. Sie erhalten Zugang zu neuartigen Behandlungsmethoden, die sich möglicherweise besser für Ihre Erkrankung eignen, als bisherige Ansätze. Darüber hinaus könnten Sie von der intensiven und individuellen medizinischen Betreuung in den Studienzentren profitieren. Die Teilnahme an einer klinischen Studie eröffnet vielen Betroffenen eine neue Perspektive, ihre gesundheitliche Situation verbessern zu können.

Klinische Studien werden durchgeführt, weil noch nicht alle Einzelheiten über ein Medikament, medizinisches Gerät oder Verfahren bekannt sind. Es besteht die Möglichkeit, dass Sie nicht von der Studienteilnahme profitieren. Alle potenziellen Risiken werden vor Studienbeginn mit Ihnen ausführlich im Studienzentrum besprochen. So können Sie für sich den möglichen Nutzen sorgfältig gegen eventuelle Risiken abwägen. Sie können bei den Gesprächen so viele Fragen stellen, bis Sie sich sicher für oder gegen eine Teilnahme entscheiden können.

Sie können Ihre Teilnahme an einer klinischen Studie jederzeit und ohne Angabe von Gründen beenden.

Die bei der Studie gesammelten Informationen dürfen nur zu Forschungszwecken verwendet werden. Ihre Informationen werden in einer verschlüsselten Form gespeichert, die zu keiner Zeit einen Rückschluss auf Ihre Person erlaubt. Lediglich Ihr Studienarzt hat die Möglichkeit, die Informationen zu entschlüsseln. Falls die Studienergebnisse im Rahmen von Präsentationen oder Veröffentlichungen verwendet werden, werden Sie niemals namentlich erwähnt. Auch wird niemandem ohne Ihr schriftliches Einverständnis mitgeteilt, dass Sie an der Studie teilnehmen bzw. teilgenommen haben.

Die Ergebnisse von klinischen Studien beeinflussen die Behandlungsmethoden, mit denen Betroffene in der Gegenwart und der Zukunft behandelt werden. Daher ist es wichtig, zuverlässige Ergebnisse zu erhalten. Um zuverlässige Ergebnisse zu erhalten, müssen Studien sorgfältig geplant werden. Dazu gehört, dass die Teilnehmer vor Beginn in verschiedene Gruppen eingeteilt werden und genau definiert wird, wie die Gruppen behandelt werden. Auf diese Weise können Behandlungsmethoden unter gleichen Bedingungen miteinander verglichen werden. So kann im Anschluss der Studie eine Aussage darüber gefällt werden, welche der eingesetzten Behandlungsmethoden für die untersuchte Fragestellung am besten geeignet ist. Unabhängig davon, welcher Gruppe die Teilnehmer angehören, werden Sie intensiv durch das Studienpersonal betreut.

Damit man sich auf Studienergebnisse verlassen kann, müssen Studien möglichst vor äußeren Einflussfaktoren geschützt werden, die zu einer Verfälschung der Ergebnisse führen könnten. Zu den Einflussfaktoren gehören zum Beispiel das Alter oder der Schweregrad einer Erkrankung. Eine wichtige Methode, um die Auswirkung solcher Einflussfaktoren zu minimieren, ist die Randomisierung. Darunter versteht man, dass die Zuteilung zu den verschiedenen Teilnehmergruppen zufällig erfolgt. Das heißt, dass weder die Teilnehmer noch der Arzt einen Einfluss darauf haben, welcher Gruppe ein Teilnehmer zugeordnet wird. Durch die zufällige Zuteilung wird dafür gesorgt, dass sich die Einflussfaktoren gleichermaßen auf die Gruppen auswirken. So wird zum Beispiel verhindert, dass einer Gruppe nur die weniger stark betroffenen zugeteilt werden. In diesem Fall wäre es nicht möglich, die beiden Gruppen zuverlässig miteinander zu vergleichen.

Quelle: Deutsches Register Klinischer Studien