Beschreibung der Studie

Die Problematik exzessiver Internetnutzung wurde insbesondere in den letzten 5 Jahren durch die erhöhte Verfügbarkeit des Internets zu einem Fokus des Interesses in der klinischen Forschung. Das Phänomen des exzessiven problematischen Internetgebrauchs, das zu massivem klinischen Leiden führen kann und mittlerweile weltweit zu finden ist, fand als eigenes Störungsbild in den diagnostischen klinischen Manualen bisher keine Erwähnung. Online-Rollenspiele weisen das höchste "Abhängigkeitsrisiko" auf. Darüber hinaus mangelt es aufgrund der noch unzureichenden Forschungsbefunde an adäquaten Therapiekonzepten für die ansteigende Zahl von Betroffenen mit internetabhängigem Verhalten. Für die Entwicklung bzw. Modifizierung von Interventionen bedarf es integrativer Erklärungsmodelle zu der Entstehung dieses Störungsbildes. Bisherige Befunde zur Onlinespielsucht deuten auf starke Ähnlichkeiten zu substanzbezogenen Abhängigkeiten, insbesondere in den zugrundeliegenden neurobiologischen Mechanismen der Reizreagibilität, hin. Darüber hinaus deuten die wenigen bisherigen Untersuchungen zu Persönlichkeitseigenschaften bei exzessiven Online-Rollenspielern auf einen Zusammenhang zwischen der Schwere der Problematik und introvertierten, ängstlichen Persönlichkeitszügen bzw. Beeinträchtigungen in sozialen Kompetenzen hin. Da diese Eigenschaften einen Teil des Konstrukts Selbstkonzept abbilden, lässt sich die Annahme ableiten, dass bei "abhängigen" Online-Rollenspielern bestimmte Bereiche des Selbstkonzepts als defizitär wahrgenommen werden und die Konzeption des Rollenspielcharakters (Avatar) auf die Kompensation dieser Defizite ausgerichtet sein könnte. Trotz der zunehmenden Relevanz in der Behandlung von Online-Rollenspielern wurden die psychologischen und neurobiologischen Mechanismen des Selbstkonzepts sowie Ähnlichkeiten in Reizreagibilität zu Substanzabhängigkeiten bei "abhängigen" Spielern bisher kaum untersucht. Ein generelles Ziel dieser Forschungsarbeit ist die Untersuchung, inwieweit sich psychologische und neurobiologische Defizite im Selbstkonzept bei "abhängigen" Online-Rollenspielern im Vergleich zu Gelegenheitsspielern zeigen und inwieweit es neurobiologische Ähnlichkeiten in der Reizreagibilität zu Substanzabhängigkeiten gibt. Die vorliegende Untersuchung soll im Rahmen einer von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Multicenter-Therapie-Evaluationsstudie der Universitätsklinik Mainz durchgeführt werden. Es werden 60 Online-Rollenspieler mit "abhängigem" Verhalten rekrutiert, von denen die eine Hälfte sofort mit dem Therapieprogramm beginnt (Therapiegruppe) und die andere Hälfte nach einer Wartezeit von vier Monaten (Wartelistengruppe). Eine zusätzliche Kontrollgruppe besteht aus 30 "nicht abhängigen" Gelegenheitsspielern ohne Therapieprogramm. Die untersuchte manualisierte Kurzzeittherapie für Internet- und Computerspielabhängige (STICA) kombiniert Einzel- als auch gruppentherapeutische Sitzungen und beinhaltet Module der Psychoedukation, funktioneller Analysen zur Identifikation rückfallauslösender Situationen, der Erarbeitung und Anwendung von Copingstrategien zur Bewältigung dieser Situationen sowie Fertigkeiten- als auch soziales Kompetenztraining. Daneben zielt es durch das Expositionstraining mit dem eigenen Avatar auf eine Löschung der konditionierten Reaktionen ab, die die Reizreagibilität beeinflussen. Neben den psychologischen Veränderungen hinsichtlich der Wirksamkeit dieser manualisierten Kurzzeittherapie für Internet- und Computerspielabhängige (STICA) ist ein maßgebliches Ziel der vorliegenden Forschungsarbeit auch, die neurobiologischen Therapieeffekte im Selbstkonzept und in der Reizreagibilität zu untersuchen.

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Studiendetails

Studienziel Untersuchung der Selbstwahrnehmung und der Selbstreflektion vor und nach einer Psychotherapie bei Online-Rollenspielern anhand von Fragebögen (Fragebogen zum Körperbild zur Erfassung der körperlichen Attraktivität FKB-20; Clement & Löwe, 1996, Emotionale-Kompetenz Fragebogen EKF; Rindermann, 2009, Avatar Identification Scale; Klein, 2011, Skala zur Erfassung des Selbstwerts: Rosenberg Skala; Rosenberg, 1965) und zwei fMRI-Paradigmen (Selbstwahrnehmungsaufgabe und Selbstreflektionsaufgabe). Insgesamt sind 3 Termine vorgesehen. In einem ersten Termin wird eine ausführliche Aufklärung, Diagnostik und Abklärung der Ein- und Ausschlusskriterien sowie die Erstellung von Fotos und Screenshots durchgeführt. An dem zweiten (vor der Psychotherapie) und dritten Termin (nach der Psychotherapie bzw. vier Monate nach der ersten Messung für die Teilnehmer in der Warteliste) sind die Bearbeitung der Fragebögen und die Untersuchung mit funktioneller Kernspintomographie, bei der zwei verschiedene Aufgaben im Kernspintomographen durchgeführt werden, vorgesehen. Zu dem dritten Termin werden nur die "abhängigen" Online-Rollenspieler untersucht. Dabei werden die Psychotherapiepatienten mit den Patienten in der Warteliste verglichen.
Status Teilnahme möglich
Zahl teilnehmender Patienten 90
Stationärer Aufenthalt Keiner
Studientyp Interventionell
Finanzierungsquelle Deutsche Forschungsgemeinschaft

Kostet die Teilnahme Geld?

Alle während der Studie durchgeführten Behandlungen und Untersuchungen sind für Sie kostenfrei.

Teilnahme­voraussetzungen

Einschlusskriterien

  • Männer zwischen 18 und 45 Jahren
  • Rechtshändigkeit
  • Erfüllen der Kriterien einer Internetabhängigkeit nach AICA (Wölfling et al., 2011) und Ko et al. (2009) bei den abhängigen Online-Rollenspielern
  • Personen, die die Suchtkriterien nicht erfüllen werden in die Kontrollgruppe eingeschlossen
  • Keine psychotropische Medikation innerhalb der letzten vier Wochen vor dem Scannen
  • Fähigkeit zur Zustimmung nach ausführlicher schriftlicher Aufklärung (Fully Informed Consent) und zum Gebrauch der Selbstbeurteilungsbögen
  • Vorliegende schriftliche Zustimmung nach ausführlicher Aufklärung (Written Informed Consent)

Ausschlusskriterien

  • Andere behandlungsbedürftige Achse-1-Diagnose nach DSM-IV und ICD-Kriterien außer Nikotin- und Koffeinabhängigkeit
  • Vorgeschichte mit schwerem Schädelhirntrauma oder einer anderen schweren neurologischen oder psychiatrischen Erkrankung
  • Teilnehmer, die aufgrund anderer Erkrankungen eine Medikation benötigen, die das zentrale Nervensystem beeinflusst
  • Schlechte deutsche Sprachkenntnisse, so dass die sprachliche Verständigung erschwert oder unmöglich ist
  • Eingeschränkte Geschäftsfähigkeit bzw. mangelnde Fähigkeit zur Zustimmung nach ausführlicher Aufklärung (Written Informed Consent)
  • Taubheit oder Blindheit
  • Kontraindikationen für die Durchführung einer MR-Untersuchung (Metall im Körper, Herzschrittmacher, etc.)
  • Positiver Drogenschnelltest (Urin)

Adressen und Kontakt

Ambulanz für Spielsucht - Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, 55131 Mainz

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Zentralinstitut für Seelische Gesundheit - Klinik für Abhängiges Verhalten und Suchtmedizin, 68159 Mannheim

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Häufig gestellte Fragen

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Trotz der zunehmenden klinischen Relevanz von "Internetabhängigkeit", insbesondere bei Online-Rollenspielern, ist die wissenschaftliche Befundlage zur Ätiologie und Therapie kaum erforscht. Aus den in der Literatur berichteten Befunden (Ganesh et al., 2011; Smahel et al., 2008), die Defizite im Selbstkonzept bzw. eine starke Identifikation mit dem Avatar nachweisen konnten, lässt sich die Annahme ableiten, dass der eigene Avatar diese Defizite im bei dem Spieler kompensieren könnte, indem er sich als ein "interaktiver Filter" in einer im Vergleich zur sozialen Realität besser kontrollierbaren, virtuellen Welt bewegt. Auch könnten die bisher sehr wenigen Untersuchungen zu Persönlichkeitseigenschaften bei "exzessiven" Online-Rollenspielern darauf hindeuten, dass die Schwere der Problematik mit introvertierten, ängstlichen Persönlichkeitszügen und Defiziten in sozialen Kompetenzen assoziiert ist und der Avatar des Spiels diese Defizite in Anlehnung an das "Idealselbst" kompensiert. Inwieweit hier von tatsächlichen Unterschieden des Selbstkonzepts zwischen "abhängigem" und „nicht abhängigem“ Verhalten bei Online-Rollenspielern auszugehen ist, bleibt jedoch noch ungeklärt. Ein weiterer zu untersuchender Aspekt betrifft die starken Ähnlichkeiten der belohnungsrelevanten neurobiologischen Mechanismen im mesocorticolimbischen Dopaminsystem, die das problematische Verhalten aufrechterhalten, zwischen den Spielern und substanzbezogenen Abhängigkeiten. Der Avatar bzw. spielassoziierte Reize scheinen ähnlich wie die Droge bei einem Drogenabhängigen diese Hirnregion im Verlauf einer Abhängigkeitsentwicklung zu verändern. Allerdings ist im Bereich der Internetabhängigkeit die Datenlage sehr gering. Deshalb ist ein generelles Ziel zu untersuchen, inwieweit sich neurobiologische Unterschiede im Selbstkonzept, der Avatar-Identifikation als auch der Reizreagibilität zwischen "abhängigen" Online-Rollenspielern und Gelegenheitsspielern nachweisen lassen. Die hierbei gemessenen Facetten des Selbstkonzepts beinhalten das physische Selbstkonzept (körperliche Attraktivität und die Selbstattribution (Einschätzung relevanter Charaktereigenschaften, Fähigkeiten und Fertigkeiten). Ein weiteres primäres Ziel der vorliegenden Studie ist die Untersuchung neurobiologischer Psychotherapieeffekte im Selbstkonzept, in der Avatar-Identifikation als auch in der Reizreagibilität. Wie bereits angedeutet wird die vorliegende Untersuchung im Rahmen der psychotherapeutischen Evaluationsstudie "Kurzzeittherapie für Internet- und Computerspielabhängige" (STICA) durchgeführt. Es handelt sich hierbei um die Evaluation der Effektivität einer vielversprechenden Behandlung. Da die Studie sich nur auf psychometrische Outcome Kriterien beschränkt, fokussiert die vorliegende Untersuchung auf die neurobiologischen Aspekte. Zur Untersuchung werden 2 Gruppen in das Studiendesign einbezogen: Eine Gruppe von n=60 "abhängigen" Online-Rollenspielern (davon n=30 Spieler in der Therapiegruppe und n=30 in der Wartelistengruppe). Die andere Gruppe umfasst n=30 "nicht abhängige" Spieler. Zusätzlich werden wir neurobiologische Veränderungen in bestimmten Hirnregionen vor- und nach der therapeutischen Behandlung zwischen Therapiegruppe (n=30) und Wartelistengruppe (n=30) vergleichen.

Quelle

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