Beschreibung der Studie

Als Folge eines Schlaganfalls zeigen sich häufig Körperwahrnehmungsstörungen. Dazu zählen Beeinträchtigungen des Gleichgewichts und der Raumorientierung. Die meisten Patienten mit beeinträchtigtem Gleichgewicht kippen sowohl zur rechten als auch zur linken Körperseite, oder auch nach vorne oder hinten. Bei einigen Patienten kommt es aber vor, dass sie nicht nur einfach zur Seite kippen, sondern sich aktiv zur gelähmten Seite drücken, auch wenn ein Therapeut versucht die schräge Körperposition zu korrigieren. Dieses Verhalten wird als Pusher-Symptomatik bezeichnet. Zur Zeit stehen zur Diagnose hauptsächlich klinische Skalen zur Verfügung. Im Rahmen dieser Studie werden wir zusätzliche diagnostische Möglichkeiten untersuchen und neuere Therapieformen anwenden und deren Effekt überprüfen. In der Behandlung der Pusher-Symptomatik kommt bisher ausschließlich die konventionelle Physiotherapie zum Einsatz. Es werden insgesamt 40 Patienten nach Schlaganfall eingeschlossen, jeweils 20 ohne und 20 mit Pusher-Symptomatik. Von der Durchführung der Studie erhoffen wir uns, die Pusher-Symptomatik besser verstehen und damit besser diagnostizieren und behandeln zu können. Für die Studie werden zwei Medizinprodukte eingesetzt, die bereits standardmäßig in der Behandlung von Patienten mit Schlaganfall angewendet werden, der Lokomat (computergestützter Gangroboter) und der Gleichstromstimulator. Die beiden Medizinprodukte werden mit konventioneller Physiotherapie verglichen. Folgende Fragen sollen in dieser Studie beantwortet werden: Können mit den zum Einsatz kommenden Verfahren geeignete Parameter zur Diagnostik der Pusher-Symptomatik ermittelt werden? Kann mit galvanisch vestibulärer Gleichstrom-Stimulation oder früher Lokomotionstherapie (mit apparativer posturaler Unterstützung) bei Patienten mit Pusher-Symptomatik ein besseres therapeutisches Outcome im Vergleich zur konventionellen Physiotherapie erzielt werden? Die Patienten erhalten innerhalb von einer Woche je eine Einheit Lokomotionstherapie, Gleichstrom-Stimulation und konventionelle Physiotherpie. Die Reihenfolge der 3 Therapien wird nach dem Zufallsverfahren bestimmt. Um den Effekt der jeweiligen Therapie kontrollieren zu können, werden die Patienten direkt vor und nach jeder Therapie untersucht. Dazu werden die Lateropulsionsskala, die Skala für contraversive Pusher-Symptomatik, die subjektive visuelle Vertikale und die Position von Bein, Rumpf und Kopf mittels standardisierten Foto-Aufnahmen erhoben.

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Studiendetails

Studienziel - SCP Scale for Contraversive Pushing - LS Lateropulsion Scale Die Skalen werden vor und nach der jeweiligen Therapie (Lokomat, GVS oder konventionelle Physiotherapie) durch einen speziell geschulten und verblindeten Untersucher erhoben Endzeitpunkt ist nach der 3. Therapieeinheit.
Status Rekrutierung abgeschlossen, follow up abgeschlossen
Zahl teilnehmender Patienten 40
Stationärer Aufenthalt Keiner
Studientyp Interventionell
Kontrolle Wirksame Behandlung
Finanzierungsquelle Bundesministerium für Bildung und Forschung Dienstsitz Berlin

Kostet die Teilnahme Geld?

Alle während der Studie durchgeführten Behandlungen und Untersuchungen sind für Sie kostenfrei.

Teilnahme­voraussetzungen

Einschlusskriterien

  • Patienten nach unilateralem ischämischem oder hämorrhagischem Hirninfarkt
  • Der Patient ist nicht jünger als 18 Jahre
  • Der Patient hat eine Hemiparese
  • Der Patient kann nicht ohne Hilfe stehen
  • Der Patient ist mindestens 30 min vertikalisierbar

Ausschlusskriterien

  • Ausschlusskriterien für die GVS-Stimulation:
  • Metallimplantat(e) im Körper
  • Hirntumor(e)
  • Entzündungen der Kopfhaut
  • Epilepsie
  • Degenerative oder Psychiatrische Erkrankung(en)
  • Ausschlusskriterien für die Lokomat-Therapie:
  • Orthostatische Kreislaufprobleme
  • instabile bzw. nicht belastungsstabile Frakturen
  • starke Osteoporose
  • Hautprobleme im Bereich der Sicherungsmanschetten
  • bekannte vorbestehende Gelenkprobleme (z.B. Arthrose)
  • erhebliche Asymmetrien (z.B. Beinlängendifferenz)
  • Körpergröße unter 160 cm und über 190 cm oder einem Körpergewicht >150 kg.

Adressen und Kontakt

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Häufig gestellte Fragen

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Diese Studie ist ein Teilprojekt des Forschungsvorhabens „Vestibuläre Rehabilitation der Pusher-Symptomatik und des räumlichen Neglects“. Cerebrovaskulär bedingte Hirnschädigungen führen häufig zu Störungen des Gleichgewichts und der Raumorientierung. Zwei klinisch relevante Syndrome sind der Neglect (Störung der Raumorientierung in der horizontalen/axialen Ebene mit Vernachlässigung der Sehobjekte im (meist linken) Gesichtsfeld und Verschiebung des subjektiven Geradeaus in der Regel nach rechts) und das Pushen (Störung der Raumorientierung in der koronaren Ebene mit Verlagerung des Körperschwerpunktes auf die gelähmte Körperseite). Patienten mit Pusher-Symptomatik drücken sich aktiv zur paretischen Seite und leisten aktiv Widerstand gegen passive Korrektur. Das posturale Gleichgewicht ist dadurch so stark beeinträchtigt, das sie ohne Hilfe häufig weder sitzen noch stehen können. Die Körperorientierungsstörung verzögert den Rehabilitationsprozess und kann zu Stürzen und Verletzungen führen. Der Einsatz geeigneter rehabilitativer Verfahren ist daher erforderlich und Forschungsgegenstand dieses Projekts. Es finden sich zur Therapie der Pusher-Symptomatik ausschließlich Fallberichte und keine systematischen Studien. Angaben über Prävalenz und Verlauf der Symptomatik sind sehr unterschiedlich und noch unzureichend untersucht. Es fehlen einheitliche Diagnosekriterien bei sehr variablem Patientenklientel. Zurzeit stehen zur Diagnose hauptsächlich klinische Skalen zur Verfügung, wie die von Karnath et al. entwickelte klinische Skala für contraversive Pusher-Symptomatik (SCP). Es fehlen allerdings geeignete Parameter, die die Pusher-spezifischen Defizite adäquat beschreiben können. In dem vorliegenden Projekt sollen Effekte von galvanisch vestibulären Gleichstromstimulation (GVS) und von frühem maschinell-unterstütztem Lokomotionstraining auf die Pusher-Symptomatik untersucht werden. Die galvanische Stimulation wird an den Mastoiden appliziert und bewirkt dabei eine Modulation der Efferenzen über die aufsteigenden vestibulären Bahnen zu den Hemisphären. Für das Lokomotionstraining wird die roboter-unterstützte Gangorthese Lokomat verwendet. Die beiden alternativen Therapieformen werden mit konventioneller Physiotherapie (Mobilisation im Sitz oder Stand) verglichen. Ebenfalls werden unterschiedliche diagnostische Möglichkeiten für die Pusher-Symptomatik untersucht. 40 Patienten nach Schlaganfall (20 mit und 20 ohne Pusher-Symptomatik) erhalten eine Therapieeinheit mit galvanisch vestibulärer Stimulation (GVS), eine Therapieeinheit auf dem Lokomat und eine Therapieeinheit konventionelle Physiotherapie. Alle Therapieeinheiten werden innerhalb eines Zeitintervalls von einer Woche durchgeführt. Die Reihenfolge der Therapieeinheiten erfolgt pseudo-randomisiert. Vor und nach jeder Therapie werden verschiedenen Untersuchungsmethoden (Skala für contraversive Pusher-Symptomatik, Lateropulsions Skala, subjektive visuelle Vertikale und Erfassung von Position von Bein, Rumpf und Kopf mittels Foto-Aufnahme ) eingesetzt, um die Effekte der jeweiligen Therapiemaßnahme zu evaluieren.

Quelle

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