Beschreibung der Studie

5-10% der deutschen Schülerinnen und Schüler gehen unregelmäßig zur Schule. Bisher liegen jedoch nur wenige wissenschaftliche Erkenntnisse vor, wie diesen Schülerinnen und Schülern geholfen werden kann, wieder regelmäßig am Unterricht teilzunehmen. Aus diesem Grund wurde von uns ein neues multiprofessionelles Behandlungskonzept für Schulvermeider mit psychischen Erkrankungen entwickelt, dessen Wirksamkeit nun in dieser Studie im Vergleich zu traditionellen Behandlungsansätzen überprüft werden soll.

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Studiendetails

Studienziel Prozentualer Anteil der besuchten Unterrichtsstunden innerhalb der fünf Schultage vor dem Erstgespräch, nach 16 Wochen (Post), nach 26 (Follow-up 1) und nach 52 Wochen (Follow-up 2), jeweils Lehrer- und Elternangaben. Hier werden bevorzugt die Lehrerangaben verwendet. Liegen diese nicht vor, werden die Elternangaben herangezogen. Die Daten werden mit dem SV-Outcome-Fragebogen vom Therapeuten erhoben.
Status Rekrutierung abgeschlossen, follow up abgeschlossen
Zahl teilnehmender Patienten 200
Stationärer Aufenthalt Keiner
Studientyp Interventionell
Kontrolle Wirksame Behandlung
Finanzierungsquelle Forschungszentrum Jülich Entwicklung, Technologie, Nachhaltigkeit (ETN)
Weitere Informationen Studienwebseite

Kostet die Teilnahme Geld?

Alle während der Studie durchgeführten Behandlungen und Untersuchungen sind für Sie kostenfrei.

Teilnahme­voraussetzungen

Einschlusskriterien

  • Schulvermeider, d.h. Schüler, die die Schule regelmäßig und mindestens stundenweise vermeiden.
  • Alter 6 bis einschließlich 20 Jahre
  • Fließende Deutschkenntnisse des Kindes, so dass eine Teilnahme an Therapie möglich ist
  • Kenntnisse im Schreiben und Lesen
  • Schriftliches Einverständnis der Sorgeberechtigten zur Studienteilnahme (informed consent)
  • Teilnahme des Kindes am Screening und an der kompletten Prä-Testung
  • Entbindung des Arztes von der Schweigepflicht gegenüber dem aktuellen Klassenlehrer und bei Klassen- oder Schulwechsel seinem potentiellen Nachfolger
  • Vorliegen einer psychischen Erkrankung (nach ICD-10)
  • Abwesenheit schwerwiegender cardio-pulmonaler, abdomineller oder das Nerven-, Bewegungs- und Stützsystem betreffende pathologische Befunde.

Ausschlusskriterien

  • IQ < 70 (gemessen durch CFT 20-R)
  • Schüler mit körperlicher Behinderung und/oder schwerer körperlicher Erkrankung (z.B. Herzinsuffizienz, Tumorerkankung)
  • Fehlen einer psychischen Erkrankung (nach ICD-10)
  • Schüler mit einer Störung aus dem Kapitel F2 der ICD-10 (Schizophrene und wahnhafte Störungen) oder akuter Selbst- bzw Fremdgefährdung
  • Schüler, die nur in dem Sinne Schulvermeider sind, dass sie wenig Interesse an Unterricht und Schule zeigen, so dass sie sich nicht am Unterricht beteiligen.
  • Schüler, die regelmäßig zu spät zur Schule kommen, dabei jedoch nicht stundenweise fehlen.
  • Schüler, die durch ihre Eltern von der Schule ferngehalten werden (z. B. zur Verschleierung von Misshandlung oder aufgrund ökonomischer Vorteile)
  • Schüler, die aufgrund von schulischen Sanktionsmaßnahmen die Schule nicht besuchen dürfen.
  • Reguläre gegenwärtig laufende Psychotherapie, die ebenfalls Schulvermeidung fokussiert (nicht abgeschlossen).

Adressen und Kontakt

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Häufig gestellte Fragen

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Ca. 5-10% der deutschen Kinder und Jugendlichen bleiben der Schule regelmäßig fern (Jans & Warnke, 2004; Schreiber-Kittl & Schröpfer, 2002; Wagner, Dunkake, & Weiß, 2004). Tritt dieses regelmäßige Fernbleiben von Schule und Unterricht zusammen mit psychischen Symptomen auf, so wird dies gemäß Knollmann et al. (2010) als schulvermeidendes Verhalten bezeichnet. Als Ursachen wird in der Literatur zwischen Schulschwänzen, das mit oppositionellem, delinquentem Verhalten einhergeht, und angstbedingter Schulverweigerung unterschieden (Knollmann et al., 2010). Hinsichtlich angstbedingter Schulverweigerung lassen sich zwei Formen differenzieren: Mit dem Begriff „Schulangst“ werden Prüfungsangst, soziale Ängste und Mobbing verknüpft; durch den Begriff „Schulphobie“ wird Trennungsangst beschrieben. Während Eltern von Schulverweigerern wissen, dass ihre Kinder in der Schule fehlen und das Vermeidungsverhalten teilweise durch regelmäßiges Aufsuchen von Ärzten mit konsekutiver Krankschreibung weiterhin stützen, sind die Eltern von Schulschwänzern zunächst nicht über das Fehlen ihres Kindes in der Schule informiert. Kearney (2007) nennt vier verschiedene Funktionen, die schulvermeidendes Verhalten insgesamt, d.h. Schulverweigerung und Schulschwänzen, erfüllen kann: • Aufmerksamkeitssuchendes Verhalten/Trennungsangst • Vermeidung eines negativen Affekts • Positive Verstärkung außerhalb der Schule • Vermeidung von Prüfungs- und sozialen Situationen Die meisten Interventionsstudien, die im klinischen Rahmen durchgeführt wurden, zielen auf eine Rückführung von Kindern und Jugendlichen ab, die die Schule aufgrund von Ängsten verweigern (u.a. Heyne et al., 2002; Ohmann et al., 2007). Viele dieser Interventionsstudien weisen jedoch methodische Mängel beispielsweise in Form einer fehlenden Kontrollgruppe (u.a. Ohmann et al., 2007) oder in Form fehlender Randomisierung (u.a. Blagg & Yule, 1984) auf. Einige Studien (u.a. Bernstein et al., 2001) konnten zeigen, dass eine kombinierte Behandlung von Verhaltenstherapie mit medikamentöser Behandlung erfolgreich ist. Einige Studien integrieren regelmäßige Rücksprachen mit Lehrern in ihr Behandlungskonzept (u.a. Last, Hansen & Falco, 1998; Heyne et al., 2002). Kombinierte Ansätze, die im Behandlungskonzept sowohl kognitive Strategien und Verhaltensstrategien wie auch Familientherapie, Training sozialer Fertigkeiten und regelmäßige Rücksprache mit der Schule enthalten, finden sich insgesamt jedoch noch selten und werden teilweise ohne überzeugenden Erfolge angewendet (vgl. Kearney, 2008, S. 463; Heyne et al, 2002). So behandelten Heyne et al. (2002) 7-14 jährige Schulverweigerer entweder durch eine isolierte Kind-Therapie, durch ein isoliertes Eltern-Training (inklusive Absprache des Therapeuten mit Lehrpersonen, vgl. auch King et al., 1998, S. 398) oder durch Kind-Therapie mit Eltern-Training. Wider Erwarten erwies sich die kombinierte Intervention nicht wirkungsvoller als ein isoliertes Eltern-Training. Beide Eltern-Maßnahmen erzielten direkt nach Intervention bessere Ergebnisse als die isolierte Kind-Therapie. Zum Follow-up-Messzeitpunkt waren zwischen den drei Gruppen keine Unterschiede hinsichtlich des Schulbesuchs mehr feststellbar. Laut Heyne (2002) ist die Indikation entscheidend, um Kinder und Jugendliche mit isolierten oder kombinierten Ansätzen zu behandeln. Die Verhaltenstherapie ist ein Bestandteil einer multiprofessionellen psychotherapeutischen Behandlung: Gemäß den Ergebnissen von Blagg und Yule (1984) erwies sich diese Therapieform erfolgreicher als stationäre Behandlung und effektiver als Hausunterricht mit allgemein roborierender Psychotherapie. Aufgrund fehlender Randomisierung zu den drei Treatment-Gruppen ist jedoch anzunehmen, dass Kinder und Jugendliche, die an der stationären Therapie teilnahmen, schwerer beeinträchtigt waren als Kinder und Jugendliche, die ambulant behandelt wurden, so dass die stationäre Behandlung trotz Multiprofessionalität seltener zur schulischen Reintegration als die ambulante Therapie führte. Ob ein solch kombinierter Behandlungsansatz in Form einer multiprofessionellen verhaltenstherapeutischen Behandlung mit den Möglichkeiten der Schulbegleitung, der Aktivierung und des sozialen Lernens durch Sport und Gruppentherapie im ambulanten Setting erfolgreicher ist als eine weitgehend uniprofessionelle Behandlung durch niedergelassene Therapeuten, soll im Rahmen dieser Studie untersucht werden.

Quelle

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