Beschreibung der Studie

Circadiane Uhren (~ 24 Stunden) haben sich im Laufe der Evolution in fast allen Lebewesen, einschließlich dem Menschen, entwickelt, um den Organismus auf wiederkehrende tägliche Ereignisse einzustellen. Nahezu alle Prozesse und Funktionen unseres Körpers werden von einer inneren Uhr, der so genannten circadianen Uhr, gesteuert. So wurde bereits gezeigt, dass quasi alle höheren Gehirnfunktionen unter Kontrolle von circadianen Rhythmen stehen. Demzufolge wurde gezeigt, dass gestörte circadiane Uhren zur Entwicklung von Stimmungsstörungen, einschließlich Depression (Major Depressive Disorder, MDD), und Suchterkrankungen, wie Alkoholabhängigkeit, beitragen. Alkoholabhängigkeit weist eine hohe Komorbidität mit depressiven Störungen auf. Bei Patienten mit einer Alkoholabhängigkeit liegt die Komorbidität mit depressiven Störungen zwischen 30 % und 60 %. Da das circadiane System wichtige Systeme des Gehirns kontrolliert, mitunter Areale, die mit der Regulierung von Belohnungsgefühlen als auch affektiven Zuständen assoziiert sind, vermuten wir, dass eine Störung von circadianen Uhren eine zentrale Rolle bei der Komorbidität von Alkoholabhängigkeit und Depression spielt. Zudem berichten Suchtpatienten häufig unter mangelnden Tagesstrukturen und Unregelmäßigkeiten im Tagesablauf zu leiden. Aufgrund beschriebener Daten, soll für diese Pilotstudie das circadiane Profil von Patienten mit Alkoholabhängigkeit und Depression zu untersuchen und eine personalisierte Therapie zu entwickeln, welche die circadianen Rhythmen der Patienten während des Alkoholentzugs und der ersten Abstinenzphase stabilisiert, um so Rückfällen besser vorzubeugen und die Stimmung der Patienten positiv zu beeinflussen. Um dieses Ziel zu erreichen, werden circadiane Variablen wie Schlafzeitpräferenzen (Chronotyp), tägliche Schlaf-/Wachrhythmen, Ruhe-/Aktivitätsmuster, und Zeitpunkte von Mahlzeiten mit Hilfe von Fragebögen und Tagebüchern bestimmt. Angepasst an individuelle Tageszeitpräferenzen, wird anschließend ein Plan zur Tagesstruktur erstellt, an den sich die Patienten während und nach dem Entzug strikt halten sollen. Wir erwarten, dass Patienten, die diese zusätzliche circadiane Therapie bekommen weniger rückfällig werden und weniger unter depressiven Stimmungen leiden, als Kontroll-Patienten, die eine Kontroll-Behandlung bekommen. Des Weiteren sollen zu Beginn und am Ende der Studie Blutparameter gemessen werden, welche bei alkoholabhängigen Patienten in der Regel verändert sind. Da circadiane Rhythmen die Abläufe faktisch aller körperlichen Prozesse regulieren, gehen wir von einer Verbesserung physiologischer Beeinträchtigungen aus. Mit dieser Pilotstudie wollen wir prüfen, ob eine Regenerierung circadianer Rhythmen zu einer erfolgreicheren Behandlung von Alkoholabhängigkeit, depressiven Störungen und körperlicher Beeinträchtigungen beiträgt, um in Zukunft ein umfangreiches Therapieprogramm zu entwickeln, welches dann an einer größeren Patientengruppe multizentrisch getestet werden kann.

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Studiendetails

Studienziel Primärer Endpunkt ist die Rückfallrate bei Alkoholsucht in den ersten vier Wochen nach Entlassung aus dem Entzug. Gemessen wird anhand von Fragebögen (AUDIT, EuropASI), Blutwerten (GOT, GPT, γ-GT, MCV, MCH, CDT) und retrograder Selbstauskunft der Probanden (Alcohol Timeline Followback 30).
Status Teilnahme möglich
Studienphase 1
Zahl teilnehmender Patienten 80
Stationärer Aufenthalt Keiner
Studientyp Interventionell
Kontrolle Placebo
Finanzierungsquelle Das Klinikum der Universität München

Kostet die Teilnahme Geld?

Alle während der Studie durchgeführten Behandlungen und Untersuchungen sind für Sie kostenfrei.

Teilnahme­voraussetzungen

Einschlusskriterien

  • Alle Personen auf denen unten genannte Ausschlusskriterien nicht zutreffen. Auf die Beurteilung der Einsichtsfähigkeit der Probanden wird besonderer Wert gelegt. Probanden werden nur in die Studie eingeschlossen, wenn sie Art und Tragweite der Untersuchungen beurteilen können. Das schriftliche Einverständnis ist zum Einschluss notwendig. Die Studie erfolgt gemäß den Prinzipien der Deklaration von Helsinki mit ihren Novellierungen von Tokio, 1975, Hong Kong, 1989, Somerset West, 1996, Seoul, 2008 und Fortaleza, 2013. Die Probanden müssen unter Alkoholabhängigkeit und Depression leiden. Die Diagnose MDD muss folgende Kriterien für unsere Studie erfüllen: Nur unipolare Depression, nur rezidivierende Depression, bei der mindestens eine leichte Depression vorgelegen hat. Gegenwärtig sollten keine psychotischen Symptome oder akute Suizidalität vorliegen.

Ausschlusskriterien

  • Unfähigkeit Zustimmung zu geben, Schwangerschaft, aktuelle Schichtarbeit, intellektuelle, neurologische oder körperliche Beeinträchtigung, andere psychiatrische Erkrankung (außer Alkoholabhängigkeit und MDD), andere Substanzabhängigkeiten (außer Alkohol), Blindheit, Abhängigkeit von Hilfe beim Essen oder beim Zubettgehen (z.B. wie bettlägerige Patienten).

Adressen und Kontakt

Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universität München, München

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Häufig gestellte Fragen

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Das circadiane System des Körpers ist hierarchisch aufgebaut. Der suprachiasmatische Nukleus (SCN) im Hypothalamus stellt den Hauptschrittmacher aller anderen zellulären Uhren in anderen Hirnregionen und in peripheren Geweben dar. Die circadiane Uhr im SCN und in anderen Geweben wird durch sogenannte Zeitgeber, wie zum Beispiel Licht, Nahrung, körperliche Aktivität und Temperatur, mit den Tagesrhythmen der Umwelt in Einklang gebracht. Eine Störung circadianer Uhren kann weitreichende gesundheitliche Probleme hervorrufen. Hierbei spielt im Wesentlichen der Verlust von zeitlicher Synchronisation biologischer Prozesse eine Rolle. Circadiane Uhrengene, die selbst im Verlauf von 24 Stunden rhythmisch exprimiert sind, dienen als Transkriptionsfaktoren und übertragen damit ihre eigene Rhythmizität auf ca. die Hälfte aller unserer Gene. Daraus resultiert, dass quasi alle physiologischen Prozesse unter Kontrolle des circadianen Systems stehen und ihre Aktivität im Laufe des Tages verändern. Dadurch findet zum Beispiel eine zeitliche Trennung anaboler und kataboler Prozesse statt, die Reihenfolge komplexer aufeinander aufbauender bzw. voneinander abhängiger Prozesse wird synchronisiert und die Kommunikation von Hirnarealen wird zeitlich aufeinander abgestimmt. Demzufolge ist es nicht überraschend, dass eine Störung der Uhr, etwa durch genetische Disposition oder externe Faktoren, wie zum Beispiel Schichtarbeit oder unregelmäßiger Lebensstil, mit erhöhtem Risiko für vielerlei Erkrankung in Verbindung gebracht wurde. Bei diesen Menschen befindet sich das circadiane System dauerhaft in einem transienten Zustand und kann sich nicht auf einen bestimmten Ablauf einstellen, was zu physiologischen und psychischen Störungen führen kann. Schichtarbeiter leiden beispielsweise vermehrt an Depression und erhöhtem Alkoholkonsum. Umgekehrt zeigen viele depressive und alkoholabhängige Patienten eine Störung ihrer Tagesrhythmen, was sich häufig auch auf ihrer Verhaltensebene in Form unstrukturierten Tagesabläufen widerspiegelt. Im Rahmen dieser Studie wurde eine Therapie (Psychoedukation, Kurzintervention) entwickelt, in der gemeinsam mit Patienten mit Alkoholabhängigkeit und komorbider Depression eine personalisierte Tagesstruktur mit festen sich wiederholenden Abläufen entworfen wird. Dieser Tagesplan dient vorrangig der ersten vier Wochen nach Entlassung aus der Entzugsanstalt. Eine strikte Einhaltung der Tagesabläufe (Schlafenszeiten, Essenszeiten, usw.) soll einerseits eine psychologische Stütze für die Patienten sein und andererseits deren circadianes System durch regelmäßige Exposition von Zeitgebern stärken. Es wird erwartet, dass eine Stärkung circadianer Uhren sowohl die Rückfallrate als auch die depressiven Symptome der Patienten durch Optimierung physiologischer Prozesse und der besseren Abstimmung höherer Hirnfunktionen verringert.

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