Beschreibung der Studie

Morbus Parkinson ist eine mit dem Abbau des Nervensystems („neurodegenerativ“) einhergehende Erkrankung. In Deutschland gehört sie zu den häufigsten Erkrankungen dieser Art. Neben den typischen Beeinträchtigungen der Bewegung leiden Menschen mit Morbus Parkinson im Verlauf der Erkrankung, neben anderen Symptomen, oft auch unter Störungen der Hirnleistung (z.B. Beeinträchtigungen des Gedächtnisses oder der Aufmerksamkeit), die den Alltag und die Lebensqualität stark beeinflussen können. Derzeit ist die Ursache von Morbus Parkinson ungeklärt und es stehen nur symptomatische Therapien zur Verfügung. Hierzu gehören – nur begrenzt wirksame – medikamentöse Therapien sowie das nur für selektierte Patienten in Frage kommende operative Verfahren der Tiefen Hirnstimulation. Die Grenzen vorhandener Behandlungsmöglichkeiten zeigen den dringenden Bedarf für alternative Therapieansätze. Zu den aktuell in ihrer Machbarkeit und Wirkung untersuchten nicht-medikamentösen Therapieansätzen gehören z.B. Bewegungstherapien und Hirnleistungstrainings (im Volksmund auch „Gedächtnistraining“ genannt), allerdings werden sie in der Regelversorgung, wenn überhaupt, unabhängig voneinander angewendet. Darüber hinaus ist eine langfristige Therapieteilnahme, wie sie für Menschen mit Morbus Parkinson empfohlen wird, im Krankheitsverlauf nicht immer gegeben. Aus dem Grund sollte auch hier nach motivierenden Bewegungs- und Hirnleistungstrainings weiter geforscht werden. Eine verfügbare Therapieoption stellt das Musik-unterstützte Laufbandtraining dar. Dabei handelt es sich um ein Laufband, welches für Menschen mit Parkinson und anderen Bewegungsstörungen speziell konzipiert wurde. Es liefert einerseits eine optische Rückmeldung (visuelles Biofeedback) über unterschiedliche Gangparameter (z.B. zur geforderten und tatsächlichen Schrittlänge), andererseits verfügt es über eine Bibliothek mit unterschiedlichen akustischen Hinweisen („Cues“), von Metronom bis hin zu komplexeren, eigens für das Gerät komponierten Musikstücken. Der Rhythmus der Musik lässt sich an die Trainingsziele, Potentiale und Bedürfnisse der Trainierenden anpassen. Aufgrund der gleichzeitigen Anforderung an das Gehen auf dem Laufband sowie die Verarbeitung der optischen Rückmeldung und des Rhythmus der Musik ist diese Form des Laufbandtrainings ein Ansatz, der Bewegung und Hirnleistung miteinander kombiniert. Diese Form des Laufbandtrainings wurde zwar erfolgreich für die Verbesserung des Gehens eingesetzt, allerdings wurden bisher die Effekte des Laufbandtrainings auf die Hirnleistung nicht untersucht, sodass hier weiterer Forschungsbedarf besteht. Die musikalische Unterstützung des Trainings stellt dabei eine besondere Form der Trainingsmotivation dar. Es entspricht dem allgemeinen Verständnis, das Musik eine motivierende Wirkung auf uns Menschen hat. In der Therapie von Menschen mit Parkinson, werden Takt und Musik bereits seit mehr als einem Jahrzehnt erfolgreich eingesetzt. Diese Therapiestrategie wird als „Cueing“ (Hinweisgebung oder Stimulation) bezeichnet. Es wurde vor allem zur Verbesserung des Gehens, der Gewichtsverlagerung und der Haltungskontrolle angewendet. Neben den Effekten auf die Motorik, insbesondere des Gehens, zeigten Studien hierzu außerdem Effekte auf die Hirnleistung, insbesondere das (Wiederer-)lernen von Fähigkeiten. Musik-unterstütztes Laufbandtraining ist somit ein motivierendes, gleichzeitiges Training von Bewegung und Hirnleistung, das eine vielversprechende Therapieergänzung für Menschen mit Morbus Parkinson darstellen könnte. In unserer Pilotstudie wollen wir daher die Umsetzbarkeit und mögliche erste Effekte eines solchen Trainings – als Vorstufe für weitere wissenschaftliche Untersuchungen und zukünftige Therapieoptimierung – überprüfen. Um das Training mit gängigen Therapien der Rehabilitation (Standardtherapie) vergleichen zu können, wird es in unserem geplanten Studienvorhaben eine zweite Trainingsgruppe geben, die statt auf dem Musik-unterstützten Laufband zu trainieren, ein übliches Ausdauertraining am Fahrradergometer erhält. Da bisher nicht bekannt ist, dass eine der beiden Trainingsformen zum Erreichen einer verbesserten Bewegung und/oder Hirnleistung eher geeignet ist, werden Sie als Teilnehmer in beiden Gruppen möglicherweise vom Training profitieren. Die Zuordnung zu den beiden Trainingsgruppen erfolgt zufällig per Los („randomisiert“). Dadurch wird gewährleistet, dass keine Einflussnahme auf die Gruppenzuteilung möglich ist. Dies ist wichtig, um die möglichen Ergebnisse, durch eigene Auswahl, nicht zu beeinflussen. Die Therapieintensität und die Testungen sind für beide Gruppen weitestgehend gleich, um die Vergleichbarkeit zwischen den Gruppen zu ermöglichen. Vor dem Trainingsstart, nach dem Trainingsende und 6 weitere Wochen später wollen wir eine Reihe typischer Testungen mit Ihnen durchführen, die uns helfen herauszufinden, wie die Trainings vor allem auf Bewegung, Hirnleistung und für Sie relevante Parameter wirken. Wir haben Parameter wie Trainingsmotivation, Stimmung, Spaß am Training und Erschöpfung in unsere Testungen aufgenommen, da wir natürlich auch wissen wollen, wie es Ihnen mit unserem Training ergeht. Der Wissensgewinn aus dieser Studie, könnte helfen motivierende, patientenorientierte Therapiekonzepte mit nachhaltigen Effekten zu entwickeln, die zur Optimierung der Parkinsontherapie und zur Verbesserung der Lebensqualität für Patienten und Angehörige beitragen könnten. Für diese Überprüfungen möchten wir insgesamt 40 Teilnehmer einbeziehen. Lesen Sie nachfolgend, wer an der Studie teilnehmen kann.

Passende Studie finden

Studiendetails

Studienziel Kognition - Gesamtkognition (MoCA) - Alertness (TAP) - geteilte Aufmerksamkeit (TAP) - Reaktionsfähigkeit (WTS, RT-S5) - Inhibition (TAP) - kognitive Flexibilität (TAP; TMT B/A) - Wortflüssigkeit (RWT) - Kurzzeitgedächtnis (Zahlen- und Blockspanne vorwärts aus dem WMS-R; visuelle Reproduktion aus dem WMS-R) - Arbeitsgedächtnis (Zahlen- und Blockspanne rückwärts aus dem WMS-R) - mentale Rotation (LPS-2, Subtest 7) - visuelles Scannen (TAP, TMT- A) - Lernstrategie (CVLT; TOL-D)
Status Teilnahme möglich
Zahl teilnehmender Patienten 40
Stationärer Aufenthalt Keiner
Studientyp Interventionell
Kontrolle Wirksame Behandlung
Finanzierungsquelle Medizinische Psychologie | Neuropsychologie und Gender Studies und Centrum für Neuropsychologische Diagnostik und Intervention (CeNDI)

Finden Sie die richtige Parkinson-Studie

Mithilfe unseres medizinischen Fragebogens finden Sie heraus, ob diese oder eine andere Studie eine Möglichkeit für Sie darstellt.

Richtige Studie finden

Kostet die Teilnahme Geld?

Alle während der Studie durchgeführten Behandlungen und Untersuchungen sind für Sie kostenfrei.

Teilnahme­voraussetzungen

Einschlusskriterien

  • Patienten mit idiopathischen Parkinson Syndrom
  • Keine weiteren neurologischen oder psychiatrischen Erkrankungen, die der Studienteilnahme entgegenstehen
  • Keinen Hinweis auf eine mittelschwere Depression (Kriterium: Wert auf der Geriatrischen Depressionsscala < 10 Punkte)
  • Keine sonstigen Erkrankungen (z.B. kardiologische oder orthopädische), die das vorgesehene Training nicht zulassen würden
  • Uneingeschränkte oder ausreichend korrigierte Seh- und Hörfähigkeit
  • Teilnehmer ist deutschsprachig oder hat sehr gute Deutschkenntnisse
  • Patient ist aufklärungs- und einwilligungsfähig (Kriterium: Montreal Cognitive Assessment (MoCA) > 17 Punkte; Freitas et al., 2014)
  • Patient ist in der Lage, den therapeutischen Instruktionen zu folgen
  • Patient gibt schriftliches Einverständnis zur Studienteilnahme
  • Geplante Verweildauer im Neurologischen Rehabilitationszentrum Godeshöhe e.V. von mindestens vierzehn Tagen, die die Studiendauer zulässt

Ausschlusskriterien

  • Schwere Beeinträchtigung der Vigilanz, der Sprache und der Psyche (z.B. Halluzinationen), die die Aufklärungsfähigkeit und/oder das Übungsverständnis behindert und die Sicherheit auf den Trainingsgeräten gefährdet.
  • Tägliche bzw. im Tagesverlauf unkontrollierte Schwankungen der Medikamentenwirkung oder Schrittmachereinstellungen (vgl. Tiefe Hirnstimulation), die die Sicherheit des Trainings gefährden würden

Adressen und Kontakt

Medizinische Psychologie | Neuropsychologie und Gender Studies Centrum für Neuropsychologische Diagnostik und Intervention (CeNDI), Köln

Vielen Dank! Wir haben Ihnen die angeforderten Kontaktdaten aus Köln via E-Mail geschickt.

Bitte überprüfen Sie auch Ihren SPAM Ordner.

Wenn Sie weitere Fragen haben sollten, helfen wir Ihnen gerne. Unsere E-Mail-Adresse lautet kontakt@viomedo.de. Schreiben Sie uns Ihre Anregungen, Fragen und Tipps – auch Kritik und Probleme können Sie gerne äußern.

Erhalten Sie die Kontaktdaten

Wir senden Ihnen die Kontaktdaten des Studienarztes und Informationen über mögliche nächste Schritte an Ihre E-Mail-Adresse

Etwas ist schief gelaufen. Bitte versuchen Sie es noch einmal.

Durch das Absenden erkläre ich mich ausdrücklich damit einverstanden, dass Viomedo meine Daten, einschließlich Gesundheitsdaten, verarbeitet, um mir die Kontaktdaten der Studie zuzusenden und um mir Informationen (z.B. über klinische Studien) per E-Mail zuzusenden. Mein Einverständnis kann ich jederzeit widerrufen. Die Datenschutzerklärung, insbesondere die Hinweise zum Anfordern von Kontaktdaten und zum Studienberater, habe ich zur Kenntnis genommen.

Häufig gestellte Fragen

In unserem übersichtlichen Ratgeber finden Sie alle Antworten zu Fragen über klinische Studien.

Ratgeber öffnen

Morbus Parkinson (Parkinson’s Disease, PD) ist eine der häufigsten neurodegenerativen Erkrankungen in Deutschland und in den westlichen Industrienationen mit steigenden Krankheitszahlen bedingt durch den demografischen Wandel. PD-Patienten leiden im Verlauf der Erkrankung unter motorischen und sehr häufig auch kognitiven Symptomen. Für die symptomatische Behandlung von PD-Patienten stehen nur eine begrenzt wirksame Pharmakotherapie sowie das für selektierte Patienten in Frage kommende, invasive Verfahren der Tiefen Hirnstimulation zur Verfügung. Hier besteht ein dringender Bedarf für alternative nicht-pharmakologische Therapieansätze. Motorische Therapie und kognitive Interventionen gehören zu etablierten Verfahren, allerdings werden sie in der Regelversorgung meist unabhängig voneinander (und kognitive Trainings oft gar nicht bei PD) angewendet, obwohl zunehmend wachsende Evidenz zur Abhängigkeit der beiden Domänen existiert. Darüber hinaus ist die Motivation für langfristige Therapieadhärenz bei progredienten Erkrankungen nicht immer gegeben. Laufbandtraining und Cueing werden bereits erfolgreich in der Regelversorgung von PD-Patienten zur Verbesserung des Gehens einzeln und in Kombination eingesetzt. Insbesondere die Anwendung von musikalischen auditiven Cues empfinden die Patienten als motivierend. Ein Musik-unterstütztes Gangtraining zeigte sogar bessere Effekte als das reine Laufbandtraining. Allerdings wurden bisher hauptsächlich die Effekte auf die Gehfähigkeit bzw. die Motorik evaluiert, so dass weiterer Forschungsbedarf zur Überprüfung der Effekte auf die Kognition besteht. Des Weiteren werden in Studien bisher die Effekte, die für Patienten relevant sind, nur selten überprüft, so dass die geplante Studie diese Effekte ebenfalls evaluieren wird. Darüber hinaus ist bisher wenig zu den mittelfristigen Effekten des Musik-unterstützen Gangtrainings bekannt. Im Rahmen einer Pilotstudie mit randomisiertem kontrollierten Studiendesign und Follow-up Telefoninterview nach sechs Wochen sollen daher, als Vorstufe weiterer Untersuchungen, die Machbarkeit sowie die kurz- und mittelfristigen Effekte eines Musik-unterstützten Laufbandtrainings auf die Kognition, die Motorik sowie patientenzentrierte Parameter wie Stimmung, Motivation, Spaß und Erschöpfung mit den Effekten eines herkömmlichen Ausdauertrainings der Rehabilitation verglichen werden.

Quelle

Sponsoren: Registrieren Sie sich auf Viomedo, um Ihre Studien zu veröffentlichen.

Annotation headline

Annotation Synonyms

Annotation text

Weiterlesen Quelle: