Endometriose-News

Zuletzt aktualisiert: 26. Januar 2018 VON Dr. Nikolas Offenhauser

Akupunktur bei Endometriose-bedingten Schmerzen: Weitere Studien erforderlich

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Frauen mit Endometriose leiden oft über viele Jahre unter starken Schmerzen. Viele Betroffene wünschen sich eine Schmerztherapie ohne Medikamente und sind auf der Suche nach Behandlungsmöglichkeiten, die die Standardbehandlung unterstützen oder ergänzen. Zu den alternativen Heilmethoden, die bei vielen chronischen Schmerzerkrankungen eingesetzt und untersucht wird, gehört auch die Akupunktur.

Bei einer Akupunkturbehandlung werden dem Patienten an ausgesuchten Stellen feine Nadeln in die Haut gesetzt. Über welche Mechanismen die Schmerzen beeinflusst werden, ist noch nicht vollständig geklärt. In den letzten Jahren sind mehrere Untersuchungen durchgeführt worden, die zeigen konnten, dass Akupunktur bei bestimmten chronischen Schmerzen wie zum Beispiel Rückenschmerzen und Kopfschmerzen erfolgreich eingesetzt werden kann. Zusätzlich gibt es Hinweise, dass Akupunktur auch bei Menstruationsbeschwerden helfen könnte.

Ob Akupunktur auch bei Endometriose-bedingten Schmerzen hilft, ist bisher wissenschaftlich nicht geklärt. Es gibt zwar mehrere kleinere Patientenstudien, die die Wirkung einer Akupunktur-Behandlung bei Patienten mit Endometriose untersucht haben. In den einzelnen Studien sind oft aber nur wenige Patienten behandelt worden. Dies schränkt die Aussagekraft solcher Studien stark ein.

Chinesische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben jetzt mehrere dieser Studien in einer Übersichtsarbeit analysiert, die sich mit der Wirksamkeit von Akupunktur bei Endometriose-bedingten Schmerzen beschäftigen. Eine solche Übersichtsarbeit wird als Metaanalyse bezeichnet und stellt eine zusammenfassende Beurteilung mehrerer Studien dar. Die Autoren dieser Metaanalyse haben zehn Studien mit insgesamt 589 Teilnehmerinnen in ihre Auswertung eingeschlossen, in denen die Wirkung von Akupunktur auf Beckenschmerzen bei Endometriose untersucht wurden.

Eine dieser Studien mit 14 Teilnehmerinnen hat die Akupunktur mit einer Schein-Akupunktur verglichen. In den anderen neun Studien wurde die Wirksamkeit der Akupunktur im Vergleich zu einer schulmedizinischen medikamentösen Behandlung oder im Vergleich zu Traditioneller Chinesischer Medizin untersucht. Die Wissenschaftler stellten fest, dass die Akupunktur unabhängig von der Art der Vergleichsbehandlung jeweils eine bessere Schmerzlinderung erzielte. Die Autoren merken kritisch an, dass viele der betrachteten Studien ein entscheidendes Qualitätskriterium nicht erfüllen: Die Behandlung der unterschiedlichen Patientengruppen erfolgte nicht verblindet. Das bedeutet, dass den Patientinnen bzw. den Ärzten bekannt ist, zu welcher Behandlungsgruppe sie gehören. Grundsätzlich besteht bei solchen nicht-verblindeten klinischen Studien ein hohes Risiko, dass sie Studienergebnisse durch die Erwartungshaltung der Teilnehmer bezüglich der Wirksamkeit ihrer Behandlung verfälscht werden.

Die Wissenschaftler kommen zu dem Schluss, dass Akupunktur als ergänzende Behandlung bei Endometriose geeignet sein könnte. Insgesamt bedarf es aktuell aber noch weiterer qualitativ hochwertiger Studien, die die Wirksamkeit der Akupunktur unter kontrollierten und verblindeten Bedingungen untersuchen.

Diese Studienlage spiegelt sich auch in der aktuellen Leitlinie zur Behandlung der Endometriose wieder. Leitlinien beschreiben die ärztliche Vorgehensweise und die aktuellen Standards in der Diagnostik und Behandlung einer Erkrankung. In der geltenden Leitlinie für die Behandlung der Endometriose wird darauf verwiesen, dass bisher keine ausreichend fundierten Studiendaten zu komplementären Behandlungsansätzen bei Endometriose vorliegen, um eine allgemeine Empfehlung auszusprechen. So heißt es: „Ergebnisse größerer, randomisierter und kontrollierter Studien hierzu stehen noch aus, gleichwohl belegen erste Untersuchungen durchaus einen Effekt der Akupunktur“.

Die Leitlinien weisen vor allem darauf hin, dass auch bei der Erwägung komplementärer Behandlungsansätze immer eine angemessene Diagnosestellung und Untersuchungen durch den behandelnden Arzt vorausgehen sollten. Dies gilt insbesondere bei unklaren Befunden und ungewohnten starken Schmerzen, die einer sofortigen Abklärung bedürfen.

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Autor

Dr. Nikolas Offenhauser

Quellen

Xu Y, Zhao W, Li T et al. (2017). Effects of acupuncture for the treatment of endometriosis-related pain: A systematic review and meta-analysis. PLOS ONE.
https://doi.org/10.1371/journal.pone.0186616, Artikel veröffentlicht am 27.10.2017, Zugriff am 20.12.2017

Interdisziplinäre S2k-Leitlinie für die Diagnostik und Therapie der Endometriose
http://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/015-045.html, Zugriff am 20.12.2017

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